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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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PharmareferentInnen

Heute nachmittag besuchte mich eine befreundete Tierärztin. Ich merkte gleich, dass ihr einiges durch den Kopf ging: "Du weißt ja, dass ich in einer Landtierarztpraxis arbeite und das bedeutet: Fast jedes Wochenende Bereitschaft! Mein Freund mag nicht mehr. Er sitzt am Wochenende immer allein rum."

"Moment! Der Praxiseigner hat doch einen Sohn, der arbeitet doch auch mit. Teilt ihr euch die Bereitschaften nicht gerecht auf?"

"Schön wärs! Der Sohn des Hauses hat an den Wochenenden natürlich frei, alle Bereitschaften bleiben an mir hängen."

"Das geht doch nicht."

"Stimmt! Da passt es gut, dass ich von einer Pharmafirma ein Angebot bekommen habe. Die wollen mich als Pharmareferentin haben. Sie übernehmen auch die Kosten für die Ausbildung. Was meinst Du dazu?"

Ich schaute mir das Angebot der Pharmafirma an, es war schon verlockend. Da kam mein Bär, sozusagen mein "zweibeiniges Krafttier" dazu. Er war früher mal Prokurist in einem Münchner Verlag, der sich auf Dienstleistungen für Pharmafirmen spezialisiert hatte. Und da hatte er so einige Interna aus der Pharmaindustrie mitbekommen:

Jede Pharmafirma hat ja Pharmaberater, die arbeiten überwiegend auf Provision. Je mehr von dem jeweiligen Medikament umgesetzt wird, umso höher ist sein Verdienst. Die Pharmabranche ist so ziemlich die einzige Branche, in der die einzelnen Hersteller (legal) erfahren können, was die Mitbewerber umsetzen. Die Großhändler liefen die Umsätze an Firmen wie IMS[1], die das dann auswerten und gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Deutschland wurde dafür extra in sog. RPM-Kreise[2] eingeteilt.

Jeder Pharmaberater hat so seine Tricks drauf, z. B. das Ausforschen von Hobbies des Arztes. Also spendiert er beim Praxisbesuch Kuchen für die Helferinnen. die kommen dann ins Plaudern und verraten einiges. Und wenn die Helferinnen den großen Firmenwagen des Referenten sehen, da kommen manche ins Schwärmen ...

Wenn nun so ein Pharmaberater z. B. erfährt, das Herr Doktor gerne Briefmarken sammelt, dann ruft er in seiner Firma an, die stellt ihm wertvolle Briefmarken zur Verfügung. Beim nächsten Besuch fällt ihm ganz "zufällig" eine solche Briefmarke aus der Mappe. Er zeigt sie dem Arzt und fragt arglos: "Können Sie etwas damit anfangen?"

Der Sammler natürlich beäugt die Marke, entdeckt, dass sie etwas besonderes ist und steckt sie ein.

Dann sagt der Berater betrübt: "Ich glaube, da gibt es einen kompletten Satz, aber ich werde vielleicht kaum noch vorbei kommen, weil der Umsatz von unserem Präparat XYZ rapide sinkt ..."

Der Sammler will jedoch seinen kompletten Satz haben, also wenn jetzt die Patientin Eulalia Meier kommt, heißt es: "Ja, Frau Meier, ich glaube, wir müssen Sie auf ein besseres Medikament einstellen ..."

Wenn die jeweiligen Ärzte wüssten, welche persönlichen Daten über sie gespeichert sind, da würden wohl einige auf diese Dedikationen verzichten.

Da meinte dann die Tierärztin: "Ich weiß nicht, ob das mein Fall ist ..."

_____________
[1]   Institut für medizinische Statistik
[2]   Regionaler Pharmamarkt

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