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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Ab jetzt wird gegeißelt

Geißeln scheint jetzt das große Wort in der deutschen Politik zu sein: Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei einem Vortrag in München vor der Katholischen Akademie Bayern gesagt:

Die Finanz- und Wirtschaftskrise sei Folge von "tiefer Maßlosigkeit, Gier, Exzessen" und außer Rand und Band geratener Eigeninteressen.

Das stimmt zwar, was sie sagt. Aber wenn sie als Konsequenz "eine Charta nachhaltigen Wirtschaftens" fordert, dann ist das einfach lächerlich. Was meint Jürgen Habermas dazu?

"Auch die Spekulanten haben sich im Rahmen der Gesetze konsequent nach der gesellschaftlich anerkannten Logik der Gewinnmaximierung verhalten. Die Politik macht sich lächerlich, wenn sie moralisiert, statt sich auf das Zwangsrecht des demokratischen Gesetzgebers zu stützen. Sie und nicht der Kapitalismus ist für die Gemeinwohlorientierung zuständig."

Genau, das ist nämlich der Punkt: Die Bundeskanzlerin, ihr Kabinett und das Parlament haben in erster Linie die Aufgabe, Gesetze zu schaffen, die das Gemeinwohl schützen. Wenn Politiker an die moralische Ethik der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftsleute appellieren, machen sie sich wirklich lächerlich und es ist peinlich, weil es die offensichtliche Inkompetenz der politischen Entscheider beweist.

Frau Merkel ist ja nicht die einzige, die geißelt. Der Finanzminister Peer Steinbrück will natürlich auch geißeln:

"Das Gerechtigkeitsgefühl der gesellschaftlichen Mitte wird durch die Entsolidarisierung der Besserverdienenden, den Egoismus und die um sich greifende Gier eines Teils der Wirtschaftselite schwer verletzt", sagte er dem Magazin "Cicero".

Und weiter:

"Das wird aber nur gelingen, wenn die Eliten Deutschlands sich mehr für unser Land engagieren, als sie dies in den vergangenen Jahren getan haben."
 
Bei dem Stichwort "Eliten" verweise ich wieder auf Habermas:

"Es ist von abgründiger Komik, wie Wirtschaftsmanager - und nicht nur die - dem Elitegeschwätz unserer Talkrunden auf den Leim gehen, sich allen Ernstes als Vorbilder feiern lassen und mental den Rest der Gesellschaft unter sich lassen. Was, bitte, soll am Charakter von Leuten in Führungspositionen, die ihre Arbeit halbwegs ordentlich tun, exemplarisch sein?"

Alle "geißelnden" Politiker seien an das Grundgesetz erinnert. Da steht kurz und bündig: "Eigentum verpflichtet." Und Altbundeskanzler Helmut Schmidt schrieb in seinem Artikel "Größenwahn mit Folgen" (ZEIT Nr. 29):

"Man darf auch auf Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes hinweisen: Wenn dort steht, der Gebrauch des Eigentums soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen, dann ist damit gewiss nicht das Wohl von internationalen Finanzmanagern an der Wall Street und in der City of London gemeint."

Das Grundgesetz ist in diesem Jahr 60 geworden. Es wird jetzt langsam Zeit, diesen Artikel in passende Gesetze zu gießen.


(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
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L
hallo kiat, dieser beitrag ist spitze! aber ich denke, die meisten leser sind damit überfordert:-( was du schreibst, das ist echte realsatire! weiter so. lg leila
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K
<br /> Liebe Leila,<br /> <br /> danke für dein Lob! Aber ich muss dir in einem widersprechen: Ich denke nicht, dass meine LeserInnen überfordert sind. Im Gegenteil, den Kommentaren nach zu urteilen hat dieser Blog sehr kluge und<br /> intelligente LeserInnen. Und darüber freue ich mich sehr!<br /> <br /> Wenn ich da in anderen Blogs schaue, da geht es oft nur darum, dass möglichst viele anklicken, damit Kohle für die Werbung fließt. Und ich bin erstaunt, dass es bei mir auch keine blöden Kommentare<br /> mehr gibt wie am Anfang. Diese Schreiberlinge wurden ja enttarnt.<br /> <br /> Es ist schon seltsam, dass jemand sich nicht mehr traut, andere zu beleidigen, sobald er enttarnt ist.<br /> <br /> Und freue ich mich sehr über die LeserInnen meines Blogs. Wir mögen zwar nicht in allem einer Meinung sein, das wäre ja gespenstisch, wenn wir alle die gleiche Meinung hätten, dann wären wir ja<br /> geklont <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br /> <br />
Á
Liebe Kiat,<br /> <br /> die oben zitierten Aussagen von Merkel und Steinbrück strotzen doch nur so von Scheinheiligkeit. <br /> Die Entflechtung dieser Wirtschafts- und Geldeliten mit den politischen Entscheidungsträgern kann und wird nicht gelingen, weil<br /> a) diese eben miteinander zu verflochten sind<br /> b) sich von den gleichen niederen Zielen leiten lassen und<br /> c) das Emporkommen von Leuten, die sich der Ethik und Moral sowie der Menschlichkeit und Wahrheit verpflichtet fühlen, in diesen Kreisen erfolgreich verhindert wird.<br /> Und auch Helmut Schmid kommt bei mir nicht gut weg.<br /> Saß er doch selber mal in einer machtvollen Position. Und erst jetzt meint er, dass es 'langsam' Zeit werde, für dieses Grundgesetz passende Gesetze zu schaffen?<br /> Hat er da nicht vielleicht vergessen zu erwähnen, warum das auch in 'seiner' Zeit nicht möglich gewesen ist.<br /> <br /> Auch von mir einmal nachdenkliche Grüße, Awi
Antworten
K
<br /> Lieber Awi,<br /> <br /> deiner Analyse stimme ich voll zu! Was Helmut Schmidt angeht, stimmt, auch er ist ein Teil des Systems. Allerdings hat er in seiner Zeit als Altbundeskanzler einiges von sich gegeben, über das<br /> nachzudenken für mich lohnt. Das ist hat meine persönliche Meinung. Jeder von uns wird darüber gewiss anders denken. Es wäre ja gespenstisch, wenn wir alle das gleiche denken. Dann wäre dies ein<br /> Zeichen dafür, dass wir geklont sind.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />