In letzter Zeit riefen Leute an oder schrieben mir: es geht um Marktbefragungen. Zum Beispiel durch die Nielsen-Gruppe. Diese Firma sucht Menschen, die zum Nielsen-Partner werden wollen.
Hört sich ja gut an: Nielsen-Partner. Das macht sich doch gut auf der privaten Visitenkarte. Was verbirgt sich dahinter?
Wer ein solcher Partner ist, bekommt einen Scanner, dessen Kabel in die Telefondose gesteckt wird. Und das ist alles? Nein, jetzt kommt das Wichtigste: Der Partner oder die Partnerin verpflichtet sich, alle gekauften Artikel einzuscannen. Die Telefonkosten dafür übernimmt Nielsen. Wie großzügig.
Wieso dieser Aufwand? Nun, die Hersteller wollen wissen, wo bestimmte Artikel wie oft verkauft werden. Und die so gesammelten Daten sind goldwert. Die lassen sich verkaufen, für recht teures Geld. Daran sind vor allem die Discounter interessiert, vor allem wie die Produkte der Konkurrenz sich verkaufen.
Ein solches System gibt es seit langem im Pharmabereich. Da liefern täglich die Pharmagroßhändler die an die Apotheken verkauften Medikamente an eine zentrale Stelle und die sammelt und verdichtet diese Daten. Die können dann auch gekauft werden. So wissen die Pharmahersteller genau Bescheid über den Umsatz der Konkurrenz.
Wenn jetzt z. B. ein Medikament nicht so gut verkauft wird wie das der Konkurrenz, dann wird der zuständige Pharmaberater zu einer Sonderaktion verdonnert: wenn ein Arzt bereit ist, ein meist (lächerliches) Formular auszufüllen und für diesen "Forschungsbeitrag" seine "Auslagen" ersetzt bekommt, dann wird eben dieser Arzt eben dieses Medikament verordnen.
Und wenn seine Patientin Sengespeck zur Routineuntersuchung kommt, dann sagt der Arzt: "Frau Sengespeck, es ist an der Zeit, dass Sie auf ein neues Medikament eingestellt werden." Frau Sengespeck wird sich vielleicht wundern, aber die meisten Menschen meinen: Der Arzt wird schon wissen, was er macht. Schließlich hat er studiert!
Und eben dieses System des totalen Überblicks soll jetzt bei allen Waren eingeführt werden. Und wer sich das antut, was bekommt er dafür? Punkte, die er gegen einen Prämienartikel eintauschen kann.
Da frage ich mich aber: Wieviele Bügeleisen braucht ein Mensch? Es gibt natürlich "Partner", die diese Artikel im Netz anbieten. Nur, wer das regelmäßig macht, sollte mit dem Finanzamt rechnen, da wird ja regelmäßig recherchiert. Und wer da nicht unangenehm auffallen will, muss da ein Gewerbe anmelden, mit dem gesamten Rattenschwanz an Bürokratismus.
Ja, ich persönlich würde das nicht machen. Es ist mir einfach zu doof, jedesmal meinen Einkaufskorb auszupacken und jedes Teil einzuscannen.
Wie andere das halten, ist deren Entscheidung. Ich wundere mich sowieso, wie heutzutage Menschen ziemlich freigiebig mit Informationen über ihr Privatleben umgehen, bis sie mal Opfer vom Profilhandel werden ...
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Endlich wird man mal um seine Meinung befragt!<br />
Endlich ist man mal wichtig!<br />
Und wenn man dann noch twittert, facebookt, werkenntwent oder xingt, hat man sogar noch ganz viele Freunde!<br />
Alte Leute gehen zum Arzt oder zum Friseur, damit sie mal wieder berührt werden oder damit ihnen jemand mal zuhört.<br />
Junge Leute gehen ins Internet oder lassen sich befragen.<br />
Datenhandel scheint eine prosperierende Branche zu sein. Da kann man nur hoffen, dass die politischen Verhältnisse bei uns einigermaßen stabil bleiben. Stell dir eine solche Infoflut mal in einer Diktatur vor! Ich könnte mir gut vorstellen, dass es z.B. in China viele Menschen gibt, die sich aus gutem Grund an solchen Dingen nicht beteiligen.<br />
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Schönen heißen Tag noch!<br />
Sabine
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Liebe Sabine,<br />
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wie recht Du hast! Diese ganzen Communities sind ein knallhertes Geschäft: Da geht es darum, dass recht viele Menschen da ihre Klicks machen, denn je mehr Klicks, desto wichtiger ist ein Block oder<br />
eine Coummunity für die (Werbe-)Wirtschaft. Das erkennst Du auch daran, dass die Dialogführung so gestaltet wird, dass die Anwender zwangsläufig viel klicken müssen.<br />
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Ein wunder Punkt ist der Datenschutz. Es gibt ja Communities, da haben sie die Mitglieder verpflichtet, dass hochgeladene Fotos vom Betreiber verwendet werden dürfen, wenn das Mitglied längst das<br />
Weite gesucht hat. Aber wer hat schon bei der Regisrtrierung die AGBs gelesen?<br />
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Und wenn der Betreiber nicht in Deutschland ansässig ist, dann braucht er sich nicht an deutsches Datenschutzrecht zu halten. In den USA gibt es Dienste, die suchen alles zusammen, was über eine<br />
Person im Netz steht. Da kommen leicht 30 und mehr Seiten zusammen, oft viel Privates und auch einiges Falsches, was andere über andere hinterlassen haben.<br />
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Gerade wer Kinder hat, sollte denen einbläuen, mit privaten Infos sehr sparsam zu sein.<br />
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Du hast China erwähnt, es ist bekannt, dass dort Facebook z. B. nach Fotos von missliebigen Leuten durchsucht wird. Aber auch hierzulande ist es doch schon so weit, dass ein Personalchef bei einem<br />
Bewerber in der engeren Wahl zunächst die Suchmaschinen anwirft und schaut, wo der/sie sich im Netz rumtreibt und was er/sie so von sich gibt, was für Vorlieben sie hat etc. Und der Bewerber<br />
wundert sich, dass er trotz bester Zeugnisse eine Abfuhr erhält.<br />
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Deshalb rate ich allen: Seid sparsam mit euren privaten Infos, die ihr ins Netz stellt!<br />
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Liebe Grüße, Kiat<br />
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