Heute nachmittag fuhr ein schickes Auto auf meinen Hof: Eine Journalistin, die gelegentlich bei mir vorbeischaut, wenn sie gerade in der Gegend ist. Sie möchte einfach nur plaudern. Ihren Wagen stellte sie in die zweite Auffahrt, die vom benachbarten Dorf nicht einsehbar ist.
Aber es dauerte nicht lange, da fuhren Kinder mit ihren Fahrrädern zu meinem Hof, sahen das schicke Auto und radelten eilig zurück. Und wieder dauerte es nicht lange, da kam der "Controlletti", ein Altbauer mit seinem Traktor. Der muss immer alles wissen, was so passiert. Auch anderen Bauern aus anderen Dörfern ist er schon unangenehm aufgefallen. Einer hat einen Acker in der Nähe des Dorfes. Immer wenn er auf seinem Acker etwas zu bestellen hat, wer kommt da angefahren? Der Controlletti! Er bleibt dann stehen und schaut dem Bauern aus dem anderen Dorf zu, wahrscheinlich, um zu überprüfen, ob er auch alles richtig macht.
Und dieser Controlletti wollte es genau wissen. Wir hatten seinen Traktor gehört und schauten aus dem Westfenster, dann hat er angehalten, offenbar hat er das Schild "Presse" gelesen. Er krabbelte von seinem Traktor und lief zum Auto der Journalistin und beäugte es von allen Seiten. Dann fing er an, das Kennzeichen aufzuschreiben.
"Das gibst doch nicht, den kauf ich mir!" sagte die Journalistin, packte ihre Kamera und lief aus dem Haus zu ihrem Auto.
"Na, Sie sind aber ein ganz Neugieriger! Was geht Sie mein Auto an? Dies hier ist Privatbesitz! Verlassen Sie das Gelände!"
Der Controlletti schluckte, dann humpelte er zurück zu seinem Traktor und wandte sich zur Journalistin um: "Wir wollen keine Fremden hier! Und von der Presse schon gleich gar nicht!"
Die Frau zückte ihre Digitalkamera und knipste ihn, später übernahmen wir das Foto auf den PC. Er war sehr gut getroffen: mit fuchtelnden Händen und offenem Mund, nach Luft schnappend, wie ein Karpfen. Naja, die Karpfenzeit hat ja begonnen ...
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