Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Nach dem Amoklauf im Ansbacher Gymnasium Carolinum ist jetzt wieder die Zeit der Motivforscher angebrochen: Was bringt einen jungen Menschen zu dieser Tat?
Der Täter wählte genau den Tag, an dem die Abiturientenklasse zur Fahrt nach Rom aufbrechen sollte. Warum gerade Rom? Das war Tradition. Am Carolinum ist Latein immer noch die erste Fremdsprache!
Die Abschlussfahrt der Abiturienten wurde vorher besprochen, da ging es auch darum, wer mit wem auf ein Zimmer kam, da blieb der Täter außen vor, keiner wollte zu ihm ins Zimmer. Tja, was wurde über ihn getuschelt?
Der hat ja noch nie eine Freundin gehabt! Und sein blöder Oberlippenbart! Kurzum, der Täter war als Außenseiter abgestempelt, er wurde zum Außenseiter. Er galt als Stubenhocker, als Langweiler, der sich nie getraut hat, etwas zu sagen.
Er fühlte sich als Niemand, als jemand, den die anderen nicht ernst nehmen. Das hat ihn gewiss sehr belastet, er hatte niemandem, mit dem er darüber sprechen konnte. Seine Eltern leben getrennt. Er bei seinem pensionierten Vater, einen leidenschaftlicher Maler.
Seine beiden Schwestern leben bei der Mutter, nur ein paar hundert Meter weiter. Auch in ihnen hatte er offenbar niemand, mit seinen Schwestern oder der Mutter zu sprechen.
Gab es niemanden, der merkte, dass mit dem Täter etwas nicht stimmte? Ein junger Mensch, der allein durch sein junges Leben stolpert? Bei diesem Täter trafen einige Kriterien zu:
Ich frage mich, wieso ist das niemandem aufgefallen. Gewundert haben sich gewiss einige, aber unternommen hat keiner etwas.
Ich bin überzeugt, diese Tat hätte verhindert werden können, hätte jemand aus dem Umfeld des Täters versucht, sich dem Täter zu nähern, so dass der Täter sich aussprechen kann.
Es heißt, der Täter war in therapeutischer Behandlung. Falls das stimmt, dann kann ich dem Therapeuten, der Therapeutin, die Frage nicht ersparen: "Haben Sie die Probleme des Täters nicht erkannt? Haben Sie seine steigende Bereitschaft zur Gewalt nicht erkannt? Wieso haben Sie nichts unternommen? Oder fällt das alles unter die ärztliche Schweigepflicht?"
Werden wir aus diesem Amoklauf etwas lernen? Ich hoffe es.