Gestern rief eine alte Bekannte an. Einfach so zum Quatschen. Sie hatte ihren Verwaltungsfachwirt gemacht und war dann bei einer ARGE in Nürnberg gelandet. Ich fragte sie:
"Und gefällt es dir bei der ARGE?"
"Du, ich bin da nicht mehr. Ich konnte das mit meinem Glauben nicht mehr vereinbaren!"
"Wie denn das? Ich weiß ja, dass du sehr christlich bist. Da muss doch was Scheußliches passiert sein."
"Ja, es ist grausam und menschenverachtend, wie die mit ihren Kunden umspringen. Nach einem Gespräch prahlten die Kollegen: Dem Kerl habe ich es gegeben! Oder: Der Schlampe habe ich es gezeigt!"
"Ja, das wurde mir von Opfern der ARGE in Ansbach auch berichtet. Das scheint der verordnete Umgangston zu sein."
"Meine Teamleiterin warf mir vor, ich nehme mir zuviel Zeit für die Kanaken! Du bestellst jemand um acht Uhr früh und dann lässt du ihn mindestens zwanzig Minuten warten. Und in ein paar Minuten fertigst du ihn ab. Und wenn einer zu spät kommt, dann holst du ihn gleich rein und machst ihn zur Schnecke und kürzt ihm die Leistungen."
"Ja, vom Fördern und Fordern ist nur Kürzen und Sperren übriggeblieben."
"Genau! Einmal kam es besonders schlimm: Da saß am Freitag nachmittag eine alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern vor mir und weinte. Eine Kollegin hatte ihr alle Leistungen gekürzt, einfach so! Ich wollte die Kollegin fragen, sie war nicht auffindbar. Also versuchte ich der verzweifelten Mutter zu helfen. Da stach die Teamleiterin wie ein Habicht zu mir und schrie mich an: Du vertrödelst deine Zeit! Schmeiß die Schlampe raus!"
"Wirklich?"
"Ja, wirklich. Die verzweifelte Mutter wurde schreckensbleich. Ihre Kleinen hatten Hunger. Mir ging das ziemlich an die Nieren. Ich habe dann der Mutter auf einen Zettel meine Telefonnummer geschrieben und ihr heimlich hingeschoben. Sie hat sofort verstanden und ging. Kurz später ging ich auch."
"Und dann?"
"Dann hat die Frau angerufen, sie kam dann zu mir mit ihren Kindern. Wir haben zusammen gekocht und mit den Kindern gegessen. Sie kam dann auch am Samstag und Sonntag. Und ich gab ihr Tipps, wie sie sich wehren könnte."
"Das war richtig toll von dir! Ich bin stolz auf dich!"
"Ja, ich kenne einen Rechtsanwalt, dem habe ich das erzählt. Er meinte, ich solle einen Aufhebungsvertrag stellen, so ginge das nicht weiter. Und er wusste, dass im Flughafen eine Stelle frei war. Er werde für mich anrufen."
"Und jetzt arbeitest du im Flughafen?"
"Ja, das ist zwar Zwei-Schicht-Betrieb. Aber ich bin soi froh, dass ich nicht mehr in der ARGE arbeiten muss."
"Das kann ich verstehen. Ach ja, wustest du, das die EU 2010 zum Jahr der Bekämpfung der Armut ausgerufen wurde?"
"Nein, das habe ich nicht mitbekommen."
"Das war auch nicht vorgesehen, dass das öffentlich wird. Aber das Bundesverfassungsgericht traf dann das Urteil, dass Hartz IV verfassungswidrig ist. Und dann drehte Westerwelle auf und schmiss mit Stammtischparolen gegen die Hartz IV-ler als Schmarotzer um sich."
"Das habe ich mitgekriegt. Was will der eigentlich damit?"
"Für mich ist das nur Ablenkungsmanöver. Da gibt es doch die berüchtigten CDs mit den Daten von Steuersündern in der Schweiz. Und da will er halt ablenken, dass die wirklichen Schmarotzer die Leute sind, die Steuern hinterziehen und ihr Schwarzgeld in der Schweiz bunkern. ..."
(C) Copyright 2004-2010 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.