Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Gestern rief eine Kundin an, sie hat eine 15-jährige Tochter, die darf jetzt allein ins Internet. Ich habe der Mutter geraten, öfters mal zu schauen, was ihre Tochter so macht. Da fragte die Mutter: "Meine Tochter liest Blogs, und gibt da auch ihr Geburtsdatum ein. Was hältst du davon?"
"Überhaupt nichts! Oder gibst du dein Geburtsdatum öffentlich bekannt?"
"Natürlich nicht! Aber sie ist ja noch ein Kind!"
"Gerade dann solltet ihr vorsichtig sein! Wenn sie da ihr Geburtsdatum eintippt, und dann noch ihre EMailadresse. Damit kann ein böser Mensch viel anfangen."
"Was denn?"
"Nun, über Datum und Email kommst du in manche Portale und kannst irgendeinen Mist bestellen, den du nicht brauchst."
"Na, wenn das so ist, dann muss ich wohl mit meiner Tochter reden."
"Tu das."
Stunden später rief die Mutter wieder an: "Also, meine Tochter meint, das sei völlig ungefährlich, alle anderen machen es auch!"
"Wer sind die anderen?"
"Warte, ich gebe dir mal meine Tochter."
Die erzählte mir, da wolle jemand in ihrem Blog einen Geburtstagskalender aufbauen und jeder, der ihr das Geburtsdatum mitteilt, kommt dann auch in den Geburtstagskalender. Ich versuchte ihr klar zu machen, was da für Gefahren lauern. Ich fragte: "Kennst du diese Person persönlich, die diesen Blog betreibt?"
"Nein, aber ich sehe doch die Fotos von ihr, sie schaut gut aus."
"Aber persönlich kennst du sie nicht. Hast du mit ihr telefoniert?"
"Nein, warum?" Dann kam mir eine Idee: Ich fragte sie, was sie da eingetippt hat. "Na, mein Geburtsdatum und dann noch meine EMailaddy halt."
"Weißt du, was wir jetzt machen? Ich nehme dein Geburtsdatum und deine EMailadresse. Und mein Bär geht auf die Suche, was alles über dich im Internet steht. Dann rufen wir dich wieder an."
Dann jonglierte mein Bär mit kryptischen Google-Kommandos und es kam Erstaunliches zu Tage. Dann suchte er noch in ausländischen Portalen - mir wurde schwindlig, was im Internet alles über einen Menschen zu finden ist, sobald er oder sie im Internet unterwegs sind.
Dann rief ich Mutter und Tochter an. Die Tochter war erst etwas pampig, aber dann wurde sie immer leiser. Und dann meinte sie: "Ich war wohl ziemlich doof, auf so etwas reinzufallen." Da war ich froh. Und ihre Mutter auch.
Ich kann es immer noch nicht fassen, dass Menschen so arglos sein können und ihre persönlichen Daten preisgeben. Und dass es Menschen gibt, die sich irgendwelche Finten einfallen lassen, um an solche Daten zu kommen. Ich frage mich echt, wieso auf diese Gefahren im Informatik-Unterricht in den Schulen nicht hingewiesen wird.