Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute bekam ich Besuch von weiter her. Ich hatte eine Wegbeschreibung geschickt. Trotzdem wollten die Damen sicher gehen und fragte einen Altbauern. Sie trafen auf den Controlletti, er kam gerade von seiner Wiese.
Sie fragten ihn, ob diese Straße zum Hof der Schamanin führe. Antwort: "Hier gibt es keine Schamanin!"
"Aber da ist doch ein Wegweiser mit der richtigen Hausnummer?"
"So, das sehe ich zum ersten Mal. Wir haben keine Schamanin!"
"Und wohnt da nicht die Frau, die das Buch geschrieben hat?"
"Bei uns gibt es keinen, der Bücher schreibt. Wir sind anständige Leute!"
Eine der Damen fragte ihn dann: "Sagen Sie mal, sind Sie noch ganz richtig im Kopf? Wieso sind Menschen, die Bücher schreiben, unanständig?"
"Wir haben keine Schamanin!"
Dann gaben es die Damen auf und fanden mich trotzdem. Eine fragte mich: "Ist der so verkalkt oder tut er so? Sieht nach Morbus Alzheimer im Anfangstadium aus."
Ich zuckte die Schultern: "Mir fällt auf, dass er oft auf seinem Traktor sitzt und sich sehr laut selbst etwas erzählt. Und manchmal stellt er sich hin und schreit vor sich hin. Verstehen kann ich nichts, das ist so etwas von schrill!"
"Scheint ein bedenklicher Fall zu sein ..." meinte eine der Damen. Ihre Begleiterin nickte.
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