Die gelesenen Exemplare des ZEIT Magazins werfe ich nicht gleich weg, ich sammle sie für wartende Kunden. Da können sie darin lesen. So auch vorgestern wieder.
Da kam eine Stammkundin mit ihrem Hund, im kalten und schneereichen Winter waren die Krallen zu lang geworden. Also zückte ich die Krallenschere.
Die Kundin suchte sich ein Exemplar raus. Und sie las einen Artikel zu Erziehungsfragen. Dann fing sie an zu lachen: "Also, da hat eine Mutter vielleicht Probleme!"
"Wieso?"
"Die schreibt hier, dass sie von ihrer Tochter verlangt, dass sie ihren tiefen Ausschnitt mit einem Tuch verhüllen soll."
"Und das wird die Tochter kaum machen ... Wenn ich mich erinnere, einmal hattest du deine Tochter dabei, die hatte auch ziemlich viel Busen gezeigt. Stört dich das als Mutter?"
"Nö, das ist ihre Sache. Und das hat sich schnell wieder gelegt. Es war ihr einfach zu lästig, dass die Kerle ihr mit geiferndem Mund in der Ausschnitt starren! Aber diese Mutter hat noch ein anderes Erziehungsproblem: Die Mutter spaziert in der Wohnung nackt aus dem Bad ..."
"Und wo ist das Problem?"
"Das frage ich mich auch! Mir kommt das ziemlich gekünstelt und gestellt vor ..."
Da klingelte das Kundentelefon, mein Bär ging ran, ein Mann, er wollte mit seinem Hund zum Krallenschneiden vorbeikommen. Da sagte mein Bär zu ihm: "Es tut mir leid, Frau Gorina hat die nächsten Tage keine Zeit, sie führt dann Verhandlungsgespräche mit einer ausländischen Agentur, da geht es um den Verkauf von Verlagsrechten an ihrem Buch, am besten gehen Sie zur Tierärztin in ..."
"Stimmt das?", wollte die Kundin wissen. Ich nickte. "Aber Konkretes sage ich erst, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Wenn es soweit ist, dann informiere ich dich. Und mein Buschfunk meldet mir immer wieder, dass eben dieser Typ beim Wirt über mich herzieht. Ja, der, bei dem ich Hausverbot habe."
Sie kicherte: "Ja, ich weiß, du bist ja eine Hexe ..."
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