Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Am letzten Wochenende kam eine Bekannte zu einem Blitzbesuch vorbei. Ich bereitete gerade eine Tinktur zu.
"Was machst du da? Das ist gewiss etwas Schamanisches?"
"Das wird eine Tinktur aus bellis perennis."
"Das sieht ja richtig geheimnisvoll aus. Woraus besteht das?"
"Jetzt wirst du enttäuscht sein: Das waren mal Gänseblümchen."
"Ganz normale Gänseblümchen?"
"Ja, ganz normale Gänseblümchen. Du brauchst frische blühende Gänseblümchen, auch die Wurzeln. Das Wurzelwerk musst du gut säubern. Das wird dann zerkleinert, dabei kein Metall verwenden, dann diese Teile in ein Glas schütten und mit der doppelten Gewichtsmenge Weingeist übergießen. Das Glas verschließen und zwei Wochen lang in einen dunklen Raum stellen, so um die 15 bis 20 Grad. Wir sollten das öfters schütteln. Dann pressen wir das aus, den Auszug lassen wir absetzen und filtern dann. Wir erhalten eine bräunlich-gelbe Tinktur, die aromatisch schmeckt."
"Und dann?"
"Das ist die Urtinktur. Daraus gewinnen wir die Potenzen. Ich nehme meist C-Potenzen, also auf 1 Tropfen Tinktur kommen 99 Tropfen Weingeist. Und nach jedem Verdünnungsschritt wird geschüttelt. Das ist eigentlich alles."
"Und darf das jeder machen?"
"Für den Eigenbedarf ja, wenn du das verkaufen und in den Verkehr bringen willst, dann brauchst du ein Dispensierrecht, das haben unter anderem die Apotheker."
"Das ist also wirklich kein Hexenwerk."
"Bestimmt nicht. Das ist ja der Vorteil der Homöopathie, dass alles offen beschrieben ist."
"Und wozu kann ich diese Gänseblümchen-Lösung nehmen?"
"Bei Beschwerden des Bewegungsapparates zum Beispiel."
"Warum bietest du keine Wochenendkurse dafür an. Ich wäre sofortt dabei."
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