Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute musste ich ins Lagerhaus fahren. Da begegnete mir eine Frau, die lachte über ihr ganzes Gesicht. Ich sprach sie an: "Was ist dir Lustiges passiert?"
Sie gluckste: "Mein Chef hat heute die Wirte zur Sau gemacht! Sie beschweren sich immer, dass sie immer weniger Gäste haben."
"Das kann ich verstehen, dass die Gäste ausbleiben. Einmal mit dem manchmal recht kümmerlichen Angebot. Wenn da einer mit Familie Urlaub macht und dann in einem Wirtshaus Vorgebratenes und in der Mikrowelle Aufgewärmtes serviert bekommt, diese Leute kommen so schnell nicht wieder!"
"Das hat mein Chef denen auch gesagt, gebrüllt hat er. Und die Schlaumeier, die mitten in der Saison die Wirtschaft schließen: Dann braucht ihr euch nicht zu wundern, wenn niemand wieder kommt!"
"Und wie haben die Wirte reagiert?"
"Ach, die sind so etwas von stur: Das haben wir immer schon gemacht!"
"Ja, stur sind sie schon. Manche nehmen Speisekarten, die haben sie wohl von den Großeltern vererbt bekommen."
"Deshalb immer die gleiche Speisenfolge: Mit einem knappen halben Dutzend Essen wollen die ihre Gäste zufriedenstellen. Und den Trend zu vegetarischem Essen den haben manche total verschlafen. Einer hat sogar behauptet, seine Schlachtplatte sei vegetarisch. Grund: er garniert die Leber- und Butwürste mit Petersilie. Da ist mein Chef ausgeflippt."
"Hör mir auf mit vegetarisch. Ich habe mal bei einem einen vegetarischen Salat bestellt. Und was finde ich? Angebratene und klein gehackte Wurstreste! Ich glaubte, ich sehe nicht richtig."
"Vielleicht von dem, was von den andern Gästen zurückkam?"
"Das will ich nicht hoffen, mir war es sowieso schon schlecht. Ich habe das zurückgehen lassen. Seitdem gelte ich als Zicke!"
"Lieber eine Zicke, als voll Ekel!"
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