Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute abends war es wieder so weit: Eine frischgemähte Wiese musste geodelt werden. Der Biogasbauer hatte offenbar neu eingekauft: neuen Traktor und neues Odelfass.
Das Monster-Odelfass fasst fast 20.000 Liter. Dass die Straße nur für zehn Tonnen Gesamtgewicht zugelassen ist, wen stört das schon. Doch, die Gemeinde, spätestens dann wenn die Abflussrohre einer solchen Belastung nicht gewachsen sind.
Mein Bär stellte sich in die Hofeinfahrt und schaute dem Odelbauer zu. Da plötzlich, krachte es fürchterlich. Immer wieder. Es kam kein Odel mehr aus dem Monsterfass. Der Bauer probierte es wieder, es krachte noch lauter. Also machte er auf der Wiese kehrt und fuhr an meinem Hof vorbei. Dabei brüllte er etwas Unfeines in Richtung meines Bären und drohte mit der Faust. Irgendwie schien er zu glauben, dass mein Bär seine Odelei verhext hat ...
Eine halbe Stunde später kam er wieder angefahren, kaum war er auf der Wiese und wollte seine Odelorgie fortsetzen, da krachte es zwar nicht, aber es spritzte auch kein Odel. Als er wieder an uns vorbei fuhr, ertönte aus seinem Führerhaus ein ziemlich lauter Urschrei, eher zu erfühlen als zu verstehen.
Ich sehe es schon kommen, mein Bär erhält einen weiteren "Titel" zusätzlich zu dem "Der Mann, der drei Mähdrescher versenkte", jetzt "Der Mann, der den Odelwagen verhexte".
Ob die dann wieder den Hexenbanner schicken? Mit Weihwasserbottich und Rute?
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