In diesem Jahr ist bei Rowohlt ein Roman über Zuse erschienen: "Die Frau, für die ich den Computer erfand" von Friedrich Christian Delius. Um mein Urteil vorwegzunehmen, diesen Roman hat Konrad Zuse wirklich nicht verdient.
Allein schon die gedankliche Verbindung zwischen Konrad Zuse und Lady Ada, eine Tochter des Lord Byron, ist mehr als kühn. Und meine Meinung ist, dass sich auch ein Roman an historische Fakten halten sollte. Oder es ist gleich Fantasy- oder Science Fiction Literatur.
Historisch nachgewiesen ist, dass Konrad Zuse erst nach Ende des II. Weltkrieges erst von Charles Babbage und seiner Geliebten und Mäzenin Lady Ada erfuhr. Deshalb ist es ziemlicher Quatsch zu behaupten, Konrad Zuse habe seine Programmiersprache Plankalkül in memoriam Lady Ada entwickelt. Sein Plankalkül entstand, als er nach Ende des Krieges im Allgäu saß und zum Entwickeln nur Bleistift und Papier besaß, also widmete er sich der Theorie, so entstand die Programmiersprache Plankalkül.
Erst Jahre später erfuhr Konrad Zuse, dass Lady Ada vor hundert Jahren schon Programme entwickelt hatte, die auf den Rechnern ihres Freundes Charles Babbage laufen sollten.
Und noch etwas stört mich am Titel: Konrad Zuse sprach nie von Computern, sondern immer von Rechnern. Ferner wird behauptet, dass die Zeit der Nazi-Diktatur "keine Konjunktur für deutsche Erfindungen" war! Genau das Gegenteil war der Fall!
Ich will ganz und gar nicht die Nazizeit verherrlichen, aber was die technologische Entwicklung zwischen 1933 und 1945 angeht, die war wirklich einmalig. Auch wenn den Deutschen später eingeredet wurden, dass der Transistor von Amerikanern erfunden wurde, das stimmt nicht. Bereits Ende der 1920-er war der Transistor mit seinen Funktionen den deutschen Grundlagenforschern bekannt. Und eine der Kameras für das Fernsehen arbeitete bei der Olympiade 1936 nicht mit Röhren, sondern schon mit Transistoren.
Ähnlich erhält es sich mit Teflon, das den Deutschen später als "Abfallprodukt" der Weltraumfahrt verkauft werden sollte, dabei gibt es bereits Ende der 1930-er ein Patent für dieses Material, registriert im Deutschen Patentamt.
Irgendwie bin ich heute noch erstaunt, dass die Deutschen offensichtlich nicht stolz auf ihre Wissenschaftler und ihren Entdeckungen sind. Nehmen wir Erich Bahem, einigen vielleicht als Hersteller der eriba-Wohnwägen bekannt. Bahem schaffte es, Ende des Krieges mit einfachsten Mitteln bemannte Raketen zu starten. In der Hahnenkamm-Kaserne im Schwäbischen erinnerte nur ein kleines Schildchen an diese Leistung.
Oder nehmen wir Peenemünde, eigentlich ist dieser Ort die Geburtsstääte für die Weltraumfahrt. Ich lernte mal einen amerikanischen Ingenieur kennen, der mit Kollegen in Peenemünde war und mich fragte, wieso die Deutschen diese ihre Geschichte verleugnen.
Doch zurück zu Delius' Roman: Seinen Stil finde ich unmöglich, er schreibt einfach die auf Band aufgenommen Gespräche des alten Konrad Zuse in einem Rutsch runter, ohne Gliederung, mit vielen Wiederholungen. Das hat der große Konrad Zuse wirklich nicht verdient!
Mein Urteil: nicht empfehlenswert!
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