Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Da leistet sich seit Jahren die Stadt Nürnberg einen sehr teuren Versuch mit einer führerlosen U-Bahn. Nur es will nicht so richtig klappen.
Bei Stoßzeiten ist die Automatik einfach zu langsam. Wirklich! Normalerweise arbeitet eine Automatik viel schneller als die Mensch, nicht jedoch in Nürnberg und nicht bei der fahrerlosen U-Bahn. Jetzt werden an den Haltestellen jeweils über ein halbes Dutzend Kuss-Mitarbeiter abgestellt.
Kuss? Nein, die müssen nicht die erbosten Fahrgäste abküssen, wenn es wieder Pannen gibt. Kuss, das steht für "Kunden- und Systembetreuer". Die Stadt Nürnberg denkt sich noch andere Abkürzungen aus wie "Sör", das steht für "Service öffentlicher Raum".
Aber zurück zu den Kuss-Leuten: Die haben so Handgeräte in die Hand gedrückt bekommen. Die besitzen eine fatale Ähnlichkeit zu den Handsteuergeräten bei den Modelleisenbahnen. Da gibt es ja auch Mobilteile, mit denen die Züge auf der Anlage gesteuert werden können. Offenbar haben da die Entwickler sich bei den Modelleisenbahnen umgeschaut. Nürnberg war ja einst die Hochburg der Modelleisenbahnen. War!
Die Kuss-Leute können jedenfalls mit ihren Handsteuergeräten die Türen schließen und die Züge in Gang setzen. Wenn da so ein Kuss-Mann nach der Schicht nach Hause kommt und seine Kinder ihn fragen, was Papa gemacht hat, dann erzählt er es ihnen. Und die Kinder bekommen ganz große Augen: Ihr Papa darf den ganzen Tag Eisenbahn spielen und kriegt noch Geld dafür.
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