Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Letzte Woche war es soweit: Die Erste Weiherkerwa wurde ausgerufen. Für Nicht-Franken: DIe Erste Weiher-Kirchweih.
Zur Zeit ist ja die Zeit der Kirchweihen ausgebrochen. Jedes Dorf richtet seine eigene Kirchweih aus. Eigentlich braucht es für eine Kirchweih eine Kirche. Daher der Name Kirchweih. Das soll der Jahrestag sein, an dem die örtliche Kirche geweiht wurde. Also ein Gedenktag.
Für eine Kirchweih brauchen wir also im Ort eine Kirche. Nun gibt es aber kleine Dörfer, die haben keine Kirche. Vielleicht ein Feuerwehrhaus mit einer Sparversion von Glocke, nur, zu einer Kirche gehört halt mehr. Und wenn nun eine Zeit ringsum in den benachbarten Dörfern ausbricht, in denen dann Kirchweih gefeiert wird, nur in einem kleinen Dörfchen nicht, was macht man(n) da? Ganz einfach, es wird eine eigene Kirchweih ausgerufen.
Hmm, an welchen Jahrestag wird dann gedacht? An das örtliche Feuerwehrhaus? An die drei Vereinen gehörende Maschinenhalle? Passt alles nicht, diese Lokalitäten sind bereits vergeben. Aber! Natürlich! Da gibt es einen Karpfenweiher. Keine Angst, der ist nicht tief. An einigen Stellen ist er so flach, da müssen die Karpfen in Seitenlage schwimmen. außer sie pflügen im Schlamm.
Genau, nehmen wir den Karpfenweiher, für Nichtfranken den Karpfenteich! Tja, es soll ja eine Kerwa, also eine Kirchweih sein. Wie gesagt, Kirche gibt es keine. Es gibt nur einen Bauwagen, in dem sich bei Regen die Alkoholfesten stapeln. Nur, ist so ein Bauwagen passend, um geweiht zu werden? Eigentlich werden Räumlichkeiten geweiht, damit später darin Gottesdienste gefeiert werden können. Das scheidet hier wohl aus.
Das spielt auch alles keine Rolle. Das Wichtigste ist der Kerwa-Baum, also der Kirchweihbaum. Der wird mit viel Geschrei und Gegröle aufgestellt. Oben ist er mit Bändern verziert, und auf dem Stamm ist etwas Feierliches eingeschnitzt, hier: "1. Weiher-Kerwa".
Und wenn ringsum die anderen Dörfer ihre Kirchweih feiern, dann hat dieses Dorf seine eigene Kerwa. Es braucht auch nicht die anderen Kirchweihen zu besuchen und entgeht so der Gefahr, dort abgewiesen zu werden ...
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