Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Da gibt es in Bayern einen Landkreis, der sich bislang hartnäckig weigerte, die Biotonne einzuführen, also dieses kinderkackbraunes Behältnis für biologische Abfälle.
Irgendwie ist in diesem flächengrößten Landkreis Bayerns eine Biotonne überflüssig. Grund: die meisten Bürger haben Gärten und kompostieren selbst. Das sagte auch der amtierende Landrat in einem Interview, seine Familie kompostiert selbst, sie brauche keine Biotonne. Da ist jedoch der Landrat ganz mächtig ins Fettnäpfchen getreten. Sein Stellvertreter hat nämlich die Biotonne zu seinem Thema gemacht.
Das müssen wir verstehen, er hat ja sonst keine Themen. Und außerdem hat das Landratsamt schon Unmengen dieser Biotonnen bestellt. die jetzt verteilt werden sollten. Nur, ganz wenige wollen sie haben. Das ist ja auch einzusehen. Wieso sollen die Gartenbesitzer ihre Gartenabfälle in die Biotonne werfen, die wird dann abgeholt, irgendwo zentral kompostiert und von dort können die Gartenbesitzer diesen zentral verwalteten Kompost - oder das, was daraus geworden ist - gegen teures Geld kaufen. Also, das sehen die wenigstens ein und lehnten die Biotonne ab.
Also machte der Stellvertreter mit einer Gemeinde einen Deal: Ungefragt wurden in einer Gemeinde Biotonnen in die Hofeinfahrt gestellt. Und nach einigen Tagen wird nachgeschaut, ob die Tonne noch steht. Falls ja, wird sie mitgenommen. Dass der Bürgermeister dieser Gemeinde ein SPD-Genosse ist, ebenso wie der Stellvertreter, ist bestimmt nur ein Zufall ...
Ja, und der Landrat musste Buße tun, noch vor seinem Urlaub: Er wurde auf einen Fototermin geschickt und zeigte, wie elegant er mit einer Hand Biomüll in die Biotonne entsorgen kann. Und seine Frau musste sich auch ablichten lassen, wie sie zusammen mit ihrer Schwiegertochter den richtigen Gebrauch der Biotonne demonstrierte.
Das ließ sich der Stellvertreter nicht entgehen, ist das doch wieder eine Gelegenheit, der Bevölkerung zu zeigen, dass es auch einen stellvertretenden Landrat gibt. Also schnappte er sich den zuständigen Sachbearbeiter, einer links, einer rechts neben einer Biotonne und ließen etwas hineinfallen.
Nur der Stellvertreter musste aus der Reihe tanzen: In seiner Hand hielt er einen Flyer mit der Gebrauchsanweisung zur Biotonne. Aber, Genosse Stellvertreter! So ein Flyer besteht aus Papier, gehört also in die grüne Tonne! Oder ist da jemand farbenblind?
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