Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Karl-Theodor zu Guttenberg, dieser Name ist in fast aller Munde! Es kommt mir wie eine gigantische Werbekampagne vor! Für den Namen eines Adelshauses.
Wie funktioniert eine solche Kampagne? Welche Voraussetzungen brauchen wir?
Und wenn wir das haben, dann fangen wir an und backen uns einen Politstar - ja, ihr habt richtig gelesen: einen Politstar - nicht nur Plätzchen zum Fest der Liebe!
Der Name Guttenberg tauchte gehäuft auf, nachdem Schwarz-Gelb die letzte Bundestagswahl gewonnen hatte. Merkel brauchte einen Wirtschaftsminister, da kam nur einer aus der CSU in Frage und adelig sollte er auch sein. Merkel hatte ja mit einer Frau mit einem Adelstitel schon gute Erfahrungen gemacht. Und der Bayerische Ministerpräsident auch. Also fiel die Entscheidung für Karl-Theodor zu Guttenberg, bisweilen auch KTG genannt.
Zum Wirtschaftsminister musste dann eine Geschichte gestrickt werden: Wie steht es eigentlich bei diesem Adeligen mit der wirtschaftlichen Kompetenz? Die kann KTG vorweisen, hatte er doch die Leitung eines familieneigenen Unternehmens übernommen. Wie schlampig da Mainstreamjournalisten in diesem Fall recherchierten, ist schon bezeichnend - Und symptomatisch für den Umgang mit der Wahrheit. Da geht es nur darum, eine Story zu haben, die Fakten aufzublasen oder gar zu verfälschen.
Dann musste der damalige Verteidigungsminister gehen und KTG wurde sein Nachfolger - auch da gab es eine Begründung: KTG war bei den Gebirgsjägern, das sind ganz harte Kerle!
Ja, und KTG kommt an, mit seiner Sprachgewandtheit, er gilt als klug und gibt auch Kontra zur Kanzlerin. Und seine Frau aktiviert ihre Kontakte zu einem Fernsehsender - der Name Guttenberg wird bundesweit bekannt. Medienmäßig werden neue Pfade betreten, bis hin zu einer Talkshow, aufgenommen in Feindesland im Hindukusch - wann hat es das schon gegeben?
Es gab zwar einige Ungereimtheiten und Untersuchungsausschüsse, KTG hatte ja als Gebirgsjäger das Feuern gelernt, also feuerte er Leute, die ihm unangenehm werden könnten ... Vor allem die Opposition legte ihre Finger in die Wunden, denken wir da an die Vorgänge auf der Gorch Fock, an die geöffnete Feldpost, an die diversen Schießereien in Wildwestmanier im Hindukusch etc.
Und dann sickerte langsam durch, was die große Reform der Bundeswehr für Folgen hat. Ausgedacht hat sich dies der derzeitige Chef de BA - nicht KTG. Ein kluger Schachzug! Und Weise machte das ja ehrenamtlich! Nur jetzt kapieren andere Politiker, was das für Folgen hat:
Und jetzt kommt der wichtigste Teil der Kampagne - alles war nur Vorgeplänkel! Jemand zieht die Doktorarbeit aus der Schublade, und immer mehr Leute entdecken darin Plagiate. Viele Menschen reden über KTG und seine Doktorarbeit. Was ist das für eine Ablenkung! Von den Tagesproblemen! Und auch die ungeklärten Vorfälle in der Bundeswehr geraten in Vergessenheit. Was Besseres konnte KTG gar nicht passieren.
Und wer jetzt meint, KTG versinke aus Scham in das nächste Mausloch, der irrt sich. Nein, er denkt auch nicht an Rücktritt - das ist in dieser Kampagne nicht vorgesehen, scheibchenweise gibt er zu, dass ein paar Fehler in seiner Doktorarbeit stecken und er kündigt an, seinen Doktortitel ruhen zu lassen. Und etwas später will er den Doktortitel an die Universität Bayreuth zurückgeben. Dies ist zwar rechtlich nicht vorgesehen, aber in adeligen Kreisen offenbar schon. Die haben sich ja früher viel rausgenommen - denken wir nur an ius primae noctis, das Recht auf die erste Nacht ...
Ja, und die Werbekampagne rollt: KTG ist gefragt, Mappus bucht ihn gleich mehrfach für seinen Wahlkampf - liebe Ingrid, vielen Dank für deinen Link - und KTG hat gar keine Zeit, einen Karnevalsorden in Empfang zu nehmen - er schickt als Stellvertreter seinen kleinen Bruder Philipp.
Und die Trommler dieser Kampagne trommeln auf die Bürger und Bürerinnen ein: Was hat denn KTG gemacht? Das machen doch heute alle so! Und die Elitenkinder nicken mit dem Kopf: Klar, wir machen das auch! Warum uns anstrengen? Warum noch wissenschaftlich exakt arbeiten? Wir machen nur noch auf Show!
Eine Kundin brachte mal eine DVD mit dem Titel Idiocracy mit. In diesem Film verblödet die Menschheit immer mehr. Was die Eliten angeht, bin ich ziemlich sicher, dass es so ist, aber es gibt immer mehr Menschen, die diese Spielchen durchschaut haben und sich empören - und zwar nicht nur verbal ...