Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
In der Nacht zum Sonntag gab es in Ansbach einen Großbrand. Ganz früh am Sonntag klingelte mein Telefon. Verschlafen stolperte ich hin: Mein Vater!
"Ja, bitte?", gähnte ich. Eine mir wohl bekannte Stimme schnarrte: "Tochter, bist du das? Mir wurde gemeldet, dass es in Ansbach einen Großbrand gegeben hat. Wieso lebst du noch?" Ich war platt. Was sollte das denn? Er schnarrte gleich weiter:
"Ich habe sofort die Police für die Lebensversicherung auf deinen Tod herausgesucht. Jahrzehntelang habe ich die Prämien gezahlt, aber du lebst anscheinend immer noch!"
Ach ja, die Lebensversicherung. Mein alter Herr hatte einst wirklich eine Lebensversicherung abgeschlossen, auf meinen Tod, bei Unfall sollte die Versicherung das Doppelte an ihn auszahlen. Ich hatte davon keine Ahnung. Bis er sich einmal verbabbelte. Am besten, ich antworte überhaupt nicht. Vielleicht ist er so blöd und versucht, diese Lebensversicherung einzulösen. Er meint derzeit offenbar, dass ich noch in Ansbach wohne, aber das ist schon lange her. Nun ja, wenn jemand gerade 93 Jahre alt wurde, da darf er schon etwas tüttelig sein. Oder nicht?
Ich bin auch gar nicht erschüttert, dass er immer noch mit meinem baldigen Tod rechnet. Er will unbedingt meinen Hof erben. Und er muss doch wissen, dass Leichenhemden im allgemeinen keine Taschen haben ...
(C) Copyright 2004-2010 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.