Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
(Nach einer Begebenheit, überliefert von G. di Lorenzo. ZEIT Nr. 38, S. 23)
Das Ehepaar B. lebte einst in Deutschland, der Mann Eberhard war Chef eines sehr großen Konzerns. Dann zog das Ehepaar B. in die Schweiz, gekränkt und tief verletzt. Was war geschehen? Die Presse - eigentlich der SPIEGEL - hatte von der "gekauften Republik" berichtet. Es gab eine große Affäre, wie gesagt, Ehepaar B. zog in die Schweiz, tief enttäuscht von Deutschland. Beide wurden unheilbar krank. Sie beschlossen den Freitod zu wählen.
Vorher ließen sie ihr Leben noch einmal an sich vorüberziehen. Seine Frau fragte ihn: "Erinnerst du dich noch an Helmut? Als der mal privat bei uns war?"
"Aber sicher. Du hast ihn gefragt, was er essen möchte. Und er sagte: Kaviar!"
"Und später rief seine Frau an, sie meinte, sie hätte auch gern vom Kaviar gehabt."
"Eberhard, du bist ja schon immer ein guter Mensch gewesen und hast ihr versprochen: Hannelore, wenn Helmut wieder uns besucht, dann gebe ich ihm eine große Dose Kaviar für dich mit."
"Stimmt, das habe ich gemacht. Der Helmut hat den Kaviar hocherfreut mitgenommen. Bei nächster Gelegenheit habe ich Hannelore gefragt, wie ihr der Kaviar geschmeckt habe."
"Und dann hast du erfahren, dass der Kaviar nicht bei Hannelore ankam. Hannelore meinte traurig: Den hat Helmut in Bonn ganz allein gegessen oder zusammen mit Juliane."
"Ja, dann habe ich meinen Fahrer beauftragt, mit einer großen Dose Kaviar nach Ludwigshafen zu fahren und ihn mit einem Begleitschreiben Hannelore zu überreichen. Da stand etwas von russischer Marmelade drin. Und dann habe ich erwartet, dass Hannelore sich bedankt. Nur das tat sie nicht."
"Und die Staatsanwaltschaft fand deinen Privatbrief. Hätte Hannelore geantwortet, wäre die gesamte Post beseitigt worden ..."
"Ja, das war unglücklich. Nur, das lässt sich nicht ändern. Und wir beide wissen wieder einmal, Menschen sind undankbar, auch das können wir nicht ändern. Komm, lass uns sterben ..."