Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Da gibt es hier ein lokales Anzeigenblatt, mit 17.000 Auflage, das ist ja schon etwas. Und Vierfarbendruck! Da erschien ein Artikel samt Foto über mich.
Und zwar anlässlich einer Lesung aus meinem Buch. Es gibt hier einige - vor allem aus einem bestimmten Dorf (sic!), denen stinkt das gewaltig. Wie mir mein Buschfunk berichtete, wurden sogar einige Dörfler von Touristen, die mich besuchen wollten gefragt. Auch der Controlletti, der antwortete, in ihrem Dorf gebe es keine Schriftstellerin. Er wisse von nichts. Trotzdem fanden die Besucher zu mir. Als ihnen bei der Rückfahrt ihnen wieder der Controlletti begegnet, fragte ihn eine der Frauen, ober er an Gedächtnisverlust leide. Aber allein eine solche Frage konnte er nicht verstehen.
Nun, Artikel und Foto. Das passt natürlich nicht zu den Gerüchten, die einige über mich streuen: Ich könne gar nicht schreiben! Und mein Diplom habe ich gefälscht. Gerüchten zufolge soll es mehrere Strafanzeigen geben, ich führe unberechtigterweise einen akademischen Titel ... Und jetzt dieses Foto von einer Lesung, da halte ich mein Buch in Händen und lese daraus vor. Das können viele Menschen bestätigen. Da habe sich einige Leutchen lächerlich gemacht. Und das stinkt denen.
Heute vormittag besuchte mein Bär ein Restaurant und wen sah er da? Eine Frau aus dem Dorf. Sie redete gerade laut über uns, er konnte mithören, was sie an Lügen verbreitete. Da sah eine andere Frau mich, unterbrach die Dörflerin: "Du, das kannst du alles ihm direkt erzählen, er steht hinter dir!"
Diese Dörflerin drehte ihren Kopf, sah meinen Bären, erschrak offensichtlich und wurde puterrot. Sie stand auf, bezahlte am Tresen und ward nicht mehr gesehen. Die anderen Gäste lachten.
Das war wohl ein voller Schuss nach hinten!
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