Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Die letzten Tage fuhr ein Paketdienstauto auf den Hof, Riffel bellte ganz erfreut, der Fahrer stieg aus, er hatte keine Angst.
Mir ist es bis heute unerklärlich, wie Riffel Menschen, die zum ersten Mal auf meinen Hof fahren, beurteilen kann, ob das ein guter oder ein schlechter Mensch ist. "Das Taiga!" sagte er und wies auf Riffel und fuhr fort: "Ich auch Taiga!" Und streichelte Riffel.
Das kommt bei fremden Menschen selten vor. Ich erinnere mich noch an die letzten Nächte, da sauste sie durch die Tür und hing einem Mann im Hintern. Zu Recht, wie sich später herausstellen sollte. Polizei rufen? Das bringt nur Warterei. Also blieb nur die Don-Camillo-Methode, kombiniert mit Pferdeäppel.
Mali und Knopfi grasten schon auf ihrer Koppel. Als der Paketmensch ein Paket auf den Tisch stellte, kam Mali angaloppiert, Knopfi hinterher. Mali brummelte, Knopfi sang, jawohl er sang. Das ist wohl der einzige Maulesel weit und breit, der singt. Das machen sie immer, wenn es etwas besonders Gutes zu essen gibt.
Ich schaute auf den Absender: Alma! Also das Paket geöffnet, und was sehe ich? Viele schöne Sachen! Unter anderem Äpfel und Wurzeln, ganz liebevoll verpackt. Mali und Knopfi bekamen gleich etwas ab. Und noch etwas fand ich in dem Paket: etwas zum Seifenblasen blasen! Alma, ich bin halt noch ein Kind geblieben!
Als wir heute mit dem Stall fertig waren, da musste ich unbedingt Seifenblasen produzieren. Bei uns auf dem Hof weht manchmal der Wind aus den unterschiedlichsten Richtungen. Also blies ich große Seifenblasen an Stellen, da ging eine Thermik gerade nach oben und so in zehn bis zwanzig Meter Höhe wehte ein waagrechter Wind. Die Sonne stand schon niedrig im Westen. Es war wunderschön, wie die großen Seifenblasen in allen Farben schillerten, nach einiger Zeit platzen und zwei kleinere Blasen erzeugten. Ich war fasziniert von diesem Schauspiel.
Jemand anders auch. Da fuhr - von mir unbemerkt - der Controletti auf seinem Moped. Er hat einen eigenen Fahrstil. Anscheinend hat er mal "Easy Rider" gesehen, er lehnt sich ganz zurück und macht seine Beine ganz breit. Mein Bär erzählte mir später, dass er mit offenem Mund zu mir herüber sah. "Pass auf den Straßengraben auf!" warnte mein Bär ihn mit lauter Stimme. Im letzten Moment konnte der Controlletti bremsen, sonst hätter er einen Salto geschossen - samt Moped!
Anstatt sich zu bedanken, fing er an, mich zu beschimpfen! Wir kehrten ihm den Rücken zu und ließen ihn zedern. Es war ja sehr heiß heute, vielleicht hat er einen Sonnenstich abbekommen, zumal er meist keinen Helm auf hat. Er hat zwar eine weißliche Eierschale, die total lächerlich ausschaut. Andererseits, was soll ein Heim bei einem solchen Menschen schon beschützen?
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