Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Der Abend fing alles andere als gut an. Gerade wollte ich mit Riffel zu unserer Abendrunde losziehen, da schrillte das Telefon. Nummer unbekannt. Vorsichtshalber hob ich ab. Ab und zu habe ich nämlich das zweifelhafte "Vergnügen", dass die Schwester vom Bär hier anruft. Und die ist schlimmer als eine Klette mit Kleister.
Wenn sie den Wahn hat, ihre sozialpädagogischen Ergüsse zu verbreiten, dann läuft das Telebimm heiß. Abheben und sagen: "Tut mir leid, ich habe gerade keine Zeit" nutzt nichts. Dann läßt sie es bis zum Besetzt-Zeichen bimmeln. Immer wieder, bis zu einer Stunde oder länger. Da hilft nur abheben, hören, ob sie es ist , und wenn ja, dann wird der Telefonstecker rausgezogen.
Nein, diesmal kein Telefonterror, dafür aber eine Verwandte meines Vaters. Die Gute heißt bei mir nur "Tante Huuuuh". Wieso das? Sie regt sich immer darüber auf, dass ich so abgelegen wohne. Das wäre doch gefährlich, und ich solle ja nicht nach draußen gehen, wenn es dunkel wird. Es sei schon so viel passiert ... usw. usw.
"Och, ich wollte gerade losgehen. Jetzt wird es dunkel, da ist es am schönsten ..."
"Huuuuh!", schallte es nur noch aus dem Hörer, und ich konnte endlich abziehen.
Fröhlich spazierten Riffel und ich davon. Irgendwie kam ich von dieser Schreck-Tante nicht los. Zumal es schon die ganze Zeit im Graben neben dem Weg leise raschelte.
"Wenn jetzt die Tante dabei wäre, und da springt was aus dem Graben ..." sagte ich gerade zu Riffel - da schoß eine dicke pelzige Kugel mit lautem "Murrräää!" aus dem Graben in die Luft!
Nein, kein explodierter Handfeger und auch kein Gespenst! Was da zu dreifacher Breite aufgeplustert auf uns zu segelte, war Murrli, unser Wildkater! Sichtlich mit sich zufrieden marschierte er vor uns her, den aufgeblasenen Schwanz steil in die Luft gereckt.
Und da soll einer sagen, Tiere hätten keinen Sinn für Humor!
Murrli und Weissi
Hochgeladen von KiatGorina1 am 11.01.2011