Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Wenn wir Zeit haben, gehen wir abends noch mit Riffel spazieren. Und seit einiger Zeit schließt sie jemand an: Murrli, der Blendling - eine Mischung von Haus- und Wildkatze - etwas Seltenes! Murrli wartet schon immer darauf, dass wir losziehen.
Ich habe immer das Gefühl, dass wir beobachtet werden. Und plötzlich ist er da. Anfangs mussten wir Riffel immer im Auge behalten, schließlich befanden wir uns außerhalb der Hofgrenze - und da passen Katzen in Riffels Beuteschema - bisher jedenfalls.
Bisher ging alles gut! Und die letzten Tage sah sich Riffel immer wieder um, wo bleibt er denn? Und wenn er angaloppiert kam, ging sie beruhigt weiter. Heute abend kam unerwartet eine Kundin, also musste mein Bär allein mit Riffel losziehen. Und prompt marschierte Murrli mit. Es ging gut! Ja, Murrli konnte ganz nah an Riffel vorbeiflitzen und sie wollte nicht nach ihm schnappen. Welch ein Fortschritt.
Überhaupt die Katzen! Am Sonntag frühstückten wir ausgiebig in der Küche, das Fenster geöffnet. Da, wer stand plötzlich auf dem Fenstersims? Murrli. Und er sprang in die Küche und dann auf den Hocker vor dem Aquarium. Dann tatzte er gegen das Glas. Aha, die Fische! Er schien regelrecht fasziniert von den Fischen. Die Fische wiederum schwommen gegen die Scheibe und schauten. Was ist das für ein komischer Fisch da draußen. Dann merkten sie offenbar, dass das kein Fisch ist, sondern etwas Gefährliches, ein Feind, sie hielten sich dann fern von der Scheibe.
Und dann saß auch Wähli, der schwarze Kater in der Küche und Murrli und Wähli rauften miteinander - spielerisch. Das machen sie gerne. Offenbar ist das eine Art Training für sie. Denn manchmal kommt eine Räuberkatze auf den Hof und möchte die Essschalen plündern. Dann gibt es Kampfgeschrei, sie lassen sich nichts gefallen. Und verteidigen ihr Essen.
Wenn ich daran denke, wie scheu dies beiden Kater anfangs waren, sie wollten im Tierheim von Menschen nichts wissen und verkrochen sich ständig in ihre Höhlen. Und jetzt? Sie beobachten uns bei der Arbeit, folgen uns, passen auf, was wir machen. Und halten Stall und Scheune von Mäusen frei.
Ja, auch beim Gras Mähen sind sie dabei und sehr vorsichtig. Das freut uns. Und auch Fremden gegennüber sind sie sehr, sehr vorsichtig. Fährt ein Fremder auf den Hof, schwupp, sind sie verschwunden. Ich weiß, sie beobachten uns, aber sie lassen sich nicht blicken.
Ich träume davon, dass unsere Katzen mit Riffel schmusen wie auf dem folgenden Video - vielleicht ist es mal soweit ...