Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
"Sie habe ich mir ganz anders vorgestellt!" höre ich immer wieder. wenn Menschen mich das erste Mal sehen. Und dann kommt raus, dass sie erwarten, dass ich im Schamanenkleidchen wild herum hüpfe und dabei meine Trommel verhaue.
Das mache ich aber nicht. Und wenn dann Leute mein Arbeitszimmer mit den vielen Büchern sehen - vor allem medizinische Fachliteratur - dann bekomme ich oft genug zu hören: "Sie sind wohl keine richtige Schamanin, wenn sie so viele Bücher brauchen?!"
Für mich steht fest, dass ein Schamane über ein solides medizinisches Wissen verfügen muss. Und da habe ich einen Vorteil, weil ich in meiner Zeit in der Steppe die asiatische Seite der Medizin kennengelernt habe. Und dann im Westen lernte und lerne ich die westliche Medizin kennen. Und beide schließen sich für mich nicht einander aus, sondern lassen sich miteinander kombinieren und ergänzen.
Eine "Behandlung" schaut für Außenstehende schon skurril aus. Jemand hat es mal so ausgedrückt: "Ich habe schon vieles ausprobiert, aber du bist der Knaller! Du hast mir eine Metallplatte auf den Bauch gelegt, die hast du mit einem Kabel mit einem kleinen Kasten verbunden, da war eine runde Skala zu sehen, und oben drauf eine Drehscheibe, da hast du ab und zu gekurbelt. Dann plötzlich: Meine Schmerzen waren weg! Ich weiß nicht, wie du das machst. Wahrscheinlich weißt du es selbst nicht ..."
Stimmt, ich weiß es selbst nicht, was da abgeht. Aber ich erfahre immeer wieder, dass es den "behandelten" Wesen besser geht.
Was sind die Aufgaben eines Schamanen? Das werde ich immer wieder gefragt. So wie ich Schamanen in der Steppe erlebt habe, der Schamane war für die Gesundheit von Tier und Mensch verantwortlich. Und dann noch etwas ganz Wichtiges: der Ausgleich!
Ein guter Schamane achtete stets darauf, dass die Unterschiede zwischen arm und reich nicht größer wurden, dass wegen der Verteilung der Güter kein Streit entstand. Denn Streit ist immer schlecht. Eine Sippe musste immer zusammenhalten, jeder in der Sippe musste sich auf die anderen verlassen können. War das nicht der Fall, dann zerfiel die Sippe und ging unter.
Hierzulande dagegen wird ein Schamane als ein Mensch gesehen, der ziemlich viel Bereiche der Esoterik kennt und praktiziert. Und um das zu lernen, verlangen Schamanen-Akademien viel Geld. Ob solch auswendig gelerntes Wissen etwas nützt, ich habe da meine Zweifel. Aber das muss jeder selbst entscheiden.