Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Ich habe mich schon immer gewundert, wieso es im benachbarten Dorf keine Vögel gibt. Keine Spatzen, keine Schwalben und auch keine Stare. Jetzt weiß ich es.
Zu mir kommen immer viele Stare, sie wissen, dass bei mir um den Hof Kirschbäume stehen, und heuer gibt es viele Kirschen. Da kommen die Stare in Schwärmen und stürzen sich auf die Kirschen. Ich habe nichts dagegen, Stare müssen ja auch leben.
So auch heute wieder, da näherte sich ein Schwarm und flog an dem Dorf vorbei. Und schon ging es los, ein Schuss nach dem andern, es hörte sich wie Kleinkailber an. Erschreckt flogen die Stare weiter und landeten bei mir auf den Stromleitungen, wild flatternd und schimpfend. Ich bin froh, dass ich die Freileitungen gelassen habe, so haben die Vögel genügend Platz, sich zu sammeln.
Ich frage mich, was hat ein Mensch davon, wenn er auf Stare schießt. Was haben die ihm denn getan? Oder bereitet ihm das besondere Lust, wenn er Vögel erschrecken oder gar töten kann? Für mich muss dieser "Schütze" ein ganz armseliger Mensch sein, zumindest arm im Geiste.
(C) Copyright 2004-2010 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.