Gestern hatte ich ja einer Freundin von dem "Gespensterhaus" in Mögersbronn erzählt, aber dann musste ich wegen eines Kundenanrufes das Gespräch beenden. Heute meldete sich die Freundin wieder, sie wollte mehr über dieses Haus wissen.
Da erzählte ich ihr die Geschichte über das Gespensterzimmer. Es gab im ersten Stock ein Zimmer, das roch ständig nach Mottenkugeln und Lavendel, auch wenn wir noch so oft lüfteten, diese Gerüche blieben. Aus einer Laune heraus nannten wir es das "Gespensterzimmer".
Als ich den nahe gelegenen Wald näher kannte, streifte ich öfters mit Tiger durch den Wald. Da kam ich mal an eine bestimmte Stelle, Tiger fing zu schnorcheln an, da spürte ich auch, dass da etwas war, was nicht hingehörte. Und ich roch denselben Geruch wie im Gespensterzimmer: Mottenkugeln und Lavendel. Komisch, solche Gerüche gibt es normalerweise nicht im Wald. Dann ritt ich mit Tiger zurück zum Haus. Ich zog Tiger aus und versorgte ihn, anschließend ging ich stracks ins Gespensterzimmer. Ich schnüffelte, aber keine Spur mehr von Mottenkugeln und Lavendel. Offenbar ist "jemand" mit seiner Geruchsmischung in den Wald "gezogen".
Ich erfuhr auch mehr von dem Altbauern, dem Vater des Vermieters. Der Altbauer war ein Pferdefreund, vor der Hofübergabe an seinen Sohn hatte er zwei Kaltblüter im Stall, fünf und sieben Jahre alt, gerade richtig eingefahren. Kaum hatte der Sohn den Hof übernommen, ließ er diese Pferde zum Schlachter bringen. Das brach seinem Vater das Herz!
Wie der Zufall so will, lernte ich den Pferdemetzger kennen. Er konnte sich noch gut an diese beiden Pferde erinnern, eben weil sie noch so jung waren. "So eine Schande!" meinte er immer wieder. "Solche junge und gesunde Pferde bringt man doch nicht zum Metzger!"
Das dürfte auch der Grund gewesen sein, dass der Altbauer nach seinem Tod immer noch herumspukte. Er konnte einfach seinem Sohn nicht verzeihen, dass er die jungen Pferde schlachten ließ. Und als der Spukbauer sah, dass ich meinen Lipizzaner und meine katalanische Rieseneselin Miriam in den Stall gestellt hatte, da hörte er auf zu spuken, weil jetzt wenigstens ein Pferd wieder im Stall steht. Wir jedenfalls haben von ihm nichts mehr gemerkt, auch die Türen klappten nicht mehr, und das Licht flackerte auch nicht mehr. Ich hätte zu gern gewusst, was so ein Altbauer über die große Eselin denkt, vor allem mit den Riesenohren, 35 cm lang!
Meine Freundin hatte auch Trichterohren bekommen, als ich ihr das alles erzählte. Aber dann musste ich in den Stall, sie wollte sich morgen wieder melden, weil sie noch mehr vom Gespensterhaus wissen wollte.
(C) Copyright 2004-2008 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.