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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Über die jungfräuliche Geburt ...

Gestern abend rief mich ein alter Bekannter an; er druckste ein bisschen herum und fragte dann: "Hast Du morgen für mich etwas Zeit, ich möchte dich besuchen, zusammen mit meiner neuen Freundin."

"Herzlichen Glückwunsch! Natürlich habe ich Zeit für euch! Morgen nachmittag?"

Also kam er an, mit seiner Freundin, er stellte sie mir vor; sie war viel jünger als er, aber das ist seine Sache. Sie hatte ein schönes Gesicht, aber die Augen passten nicht dazu, sie flackerten, wie meist bei Fanatikern ... Unbewusst hatte er wohl auch Bedenken, ob das die Richtige für ihn ist.

Naja, wir begrüßten uns und gingen ins Haus. Ihre Augen wanderten über meine Bücherregale und sie fixierte einige Bücher; dann wurde ihr Blick ganz starr, sie hatte "Eunuchen für das Himmelreich" entdeckt.

"Das ist ein böse Frau!" stieß sie hervor, "die glaubt nicht an die Jungfrauengeburt. Du wohl auch nicht, wenn Du solche Bücher hast."

"Doch, warum nicht? Sogar bei den Tieren, z. B. bei Haifischen kommen jungfräuliche Geburten vor." Er beugte sich interessiert vor: "Im Ernst?"

"Doch, warte mal, ich schau mal in unsere Datenbank. Wir sammeln immer Kurioses aus der Tierwelt. Da, ich habs: Da hat ein kleines Haifischweibchen, ein Schwarzspitzenhai, acht Jahre in einem Becken gelebt und dabei nie Kontakt mit männlichen Haifischen gehabt. Dann ist es gestorben. Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass sie trächtig war. Ich habe auch die Quelle: Journal of Fish Biology, Band 73, Seite 1473."

"Das habe ich noch nie gehört, das war mir neu."

"Ja, sie haben einen Gentest gemacht und festgestellt, dass das Erbgut des Ungeboreren nur von der Mutter stammt. Und 2007 gab es einen ähnlichen Fall mit einem Hammerhai. Also können weibliche Haifische Nachwuchs zeugen und brauchen dazu keinen männlichen Partner."

Da hielt es seine Freundin nicht mehr aus. Sie stand auf, zeigte mit dem Finger auf mich und schrie: "Du bist eine böse Hexe! Du machst die Heilige Mutter Gottes lächerlich! Die Jungfrau Maria mit einem blöden Hai zu vergleichen ..."

Sie beruhigte sich nicht, sondern steigerte sich immer mehr hinein. Ihr Gesicht war gar nicht mehr schön, sondern eine böse Fratze. Tja, da hatte sie ihr wahres Gesicht gezeigt.

Er packte seine Freundin und zog sie zu seinem Auto. Er verstaute sie, winkte mir traurig zu und fuhr weg.

Heute rief er an und erzählte mir: "Du, ich habe mich von ihr getrennt. Das war wohl nicht die Richtige für mich. Es tut mir Leid, wie sie dich beleidigt hat."

"Das braucht dir nicht Leid zu tun. Mit tun solche Menschen Leid, die so fanatisch sind. Dabei haben Fanatiker eigentlich nur Angst davor, dass sie sich irren oder geirrt haben. Mach dir nichts draus, Du wirst schon noch die richtige Frau für dich finden."


(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
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