Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Da kam einmal eine Bekannte zu mir mit einem Anzeigenblatt in der Hand. Da hatte eine Frau - sie nannte sich selbst Geistheilerin - eine Anzeige geschaltet: Da bot sie Hilfe für Eltern von Kristall-, Regenbogen- und Indigokindern an.
"Weißt du, was das für Kinder sind?"
"Das ist wieder so eine esoterische Welle: Wenn Kinder aus der Norm fallen oder sich anders verhalten als die Erwachsenen es wollen, dann gibt es Eltern, die behaupten voller Überzeugung: 'Mein Kind ist ein Kristallkind!' Das gilt dann oft als Entschuldigung dafür, dass die Eltern mit der Erziehung ihres Kindes schlichtweg überfordert sind."
"Und das mit den Farben? Was hat das für eine Bewandtnis?"
"Es gibt ja Menschen, die behaupten, dass sie die Farbe der Aura eines Menschen sehen. Und wenn sie nun bei einem Kind eine indigofarbene Aura sehen, dann handelt es sich um ein Indigokind, dem werden dann bestimmte Eigenschaften angedichtet."
"Welche denn?"
"Zum Beispiel, wenn sie sehr intelligent erscheinen oder wenn sie heftig bocken usw."
"Das machen normale Kinder manchmal auch!"
"Sicher. Manche gehen noch weiter, dass Indigo-Kinder von Außerirdischen stammen oder sie sind die Vorboten von Kreuzungen von Außerirdischen mit Menschen. Da gibt es ganz wilde Ideen."
"Du hältst nicht viel davon?"
"Nicht unbedingt. Und gefährlich wird es, wenn Kinder wirklich gestört sind, dass dann den Eltern empfohlen wird, mit diesen Kindern nicht zum Arzt zu gehen."
"Aber zu dieser Geistheilerin."
"Sozusagen. Wobei es natürlich Ärzte gibt, die solchen Kinder Psychopharmaka verordnen, was manchmal nicht das Gelbe vom Ei ist. Und manche Eltern sind dann noch stolz darauf, wenn sie anderen Müttern sagen können: 'Mein Kind ist ein Kristallkind!' So einen Fall hatte ich auch mal:"