Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute abend stand ich auf dem Misthaufen und kippte die Karre aus. Auf dem Misthauen holten mich schon oft Erinnerungen ein.
So auch heute. Die Geschichte mit meinem Vater beschäftigte mich, das ist ja erklärlich. Und wenn solche Gedanken auftauchen, dann lasse ich sie zu. Ich verdränge sie nicht.
Mein Vater hat eine jüngere Schwester, also meine Tante. Sie ist verheiratet, mein Onkel. Sie hatten mich vor Jahren besucht, ich saß mit ihm bei einem Eis zusammen. Er hechelte die Verwandtschaft durch. Seine Frau war nicht dabei. Da ging es um den Sohn seines Schwagers, den er mit seiner Schwester gezeugt hatte.
Fast schon wütend stieß er hervor: "Und den hat meine Frau zum Mann gemacht!"
Dieser Satz ließ mich lange nicht los. Was sollte das heißen? "Zum Mann gemacht?" Ich fragte meinen Bären. Er interpretierte das auch so wie ich. Die Tante ging mit ihrem Neffen ins Bett.
Was für eine Verwandtschaft ...
(C) Copyright 2004-2010 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.