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13. August 2010 5 13 /08 /August /2010 22:41

Sabiene hat in ihrem Blog ein Video im Artikel "Surviving Auschwitz" veröffentlicht. 

Als ich mir das Video ansah, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Mir wurde wieder bewusst, was für einen Vater ich habe. Einen deutschen. Und einen, der heute noch stolz darauf ist, dass er im II. Weltkrieg einst bei der Entwicklung der V2-Rakete dabei war.

Ja, er ist auch heute noch stolz darauf, dass mit der V2-Rakete in England viele Zivilisten getötet wurden. Sicher, es herrschte ein Ausnahmezustand, es war Krieg. Aber dass ein Mensch in hohem Alter - er wird bald 93 Jahre alt - immer noch stolz darauf ist, mitgeholfen zu haben, um Menschen zu töten, das kann ich nicht nachvollziehen.

Gewiss, ich wurde sehr früh mit dem Töten konfrontiert. Ich meine das Töten von Menschen. Wer mein Buch kennt, weiß sicher, was ich meine. Einmal wollte ein Dieb mein Pony stehlen. Ich allein in der Steppe wäre dann verloren gewesen, also hieß es: er oder ich. Also schoss ich und traf. Aus Notwehr.

Das andere Mal wollte mich ein besoffener Oberst erschießen, aus verletzter Eitelkeit und aus Spaß. Zur Verteidigung gab er mir eine Pistole, bei der er vorher den Sicherungshebel umgelegt hatte. Zum Glück hatte ich das gemerkt. Wieder hieß es: Er oder ich! Wieder verteidigte ich mein Leben und erschoss den Oberst - aus Notwehr.

Glücklich war ich nicht. Vor allem nicht bei dem Oberst. Ich hatte einen Oberst erschossen! Und ich bekam es mit der Angst zu tun, was würden sie Russen mit mir anstellen? Ich hatte Glück.

Doch zurück zu meinem Vater. Ich kann nichts dafür, was für einen Vater ich habe. Einmal hatte ich einen Menschen zu Besuch, der hatte sich auf Rückführungen spezialisiert. Und er warf mir vor, mein Problem sei, dass ich meinen Vater nicht liebe.

Nein, das ist nicht mein Problem. Wie kann ich meinen Vater lieben, der stolz darauf ist, am Tod von Menschen mitverantwortlich zu sein und heute noch darauf stolz ist. Nein, solche Menschen kann ich nicht lieben.

Und vor Jahren erfuhr ich, dass er seine eigene Schwester schwängerte, sie brachte einen Sohn zur Welt. Sozusagen für mich ein Halbbruder und Cousin zugleich. Was für eine surreale Situation für mich. Nein, so einen Vater kann ich nicht lieben. Ich akzeptiere, dass er mein Vater ist. Was er angestellt hat, das ist allein seine Angelegenheit. Damit habe ich nichts zu tun.

 

(C) Copyright 2004-2010 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.

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Kommentare

R
<br /> Liebe Kiat, MÜSSEN tut man GAR NICHTS!<br /> Ich sagte lediglich, "es funktioniert" (und ich habe es mehrmals als selbst betroffene erlebt, mit dem Vater meines Kindes, mit meinem Vergewaltiger, usw... ). In dem erzählten Fall war es die<br /> Schwiegermutter, das stimmt.<br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Liebe Sonja,<br /> <br /> <br /> dann sind wir uns einig! Und das ist schön! Und wenn es bei dir funktioniert hat, dann beglückwünsche ich dich.<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br /> <br />
F
<br /> Was für ein Vater ! >:-/<br /> <br /> <br />
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R
<br /> jeden menschen, egal, was er denkt oder tut, BEDINGUNGSLOS zu lieben, das ist eine aufgabe an der wir noch wachsen können.<br /> ja, es funktioniert. (glaub`s mir oder nicht, ich habe es erfahren, es kann funktionieren). daß man die liebe über all das menschliche stellt und einen menschen bedingungslos liebt, egal, wie er<br /> ist, wer er ist, usw...<br /> <br /> mir fällt dazu die egschichte des mannes ein, der einst in dem haus wohnte, in dem wir jetzt leben.<br /> er hat hier im haus seine eigene behinderte tochter jahrelang missbraucht und an andere männer im dorf "vermietet". meine schwiegermama arbeitet bei der hauskrankenpflege der caritas und sie hat<br /> freiwillig genau diesen mann gepflegt, ebvor er dieses jahr verstorben ist. nicht jede der caritas- pflegerinnen konnte das, einige haben sich geweigert. ich fand das sehr stark von ihr. sie kannte<br /> die geschichte ja.<br /> so einem menschen ur die hand zu geben wenn man ihn begrüßt, wäre für mich eine überwindung- und trotz allem kann ich, wenn ich drüber stehe über all dem menschlichen schrott, auch für so einen<br /> menschen liebe empfinden auf eine art, wie sie stattfindet, wenn man sich abhebt von der dummheit der menschen und den menschen als das sieht, wie er ursprünglich gedacht war.<br /> <br /> ich weiß nicht, ob ich rüberbringen kann, was ich meine.<br /> <br /> herzgruß, sonja<br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Liebe Sonja,<br /> <br /> <br /> bei deiner Schwiegermama besteht ein Unterschied, sie war nicht persönlich betroffen, wenn ich das richtig verstanden habe. Was meinen Fall angeht, ich bin persönlich betroffen, und er hat<br /> mir viel geschadet und versucht mir immer noch zu schaden. Nun, ich hasse ihn nicht, er ist mir egal. Und wenn er mir schadet, dann wehre ich mich.<br /> <br /> <br /> Aber ich denke, das muss jede von uns mit sich selbst ausmachen. Ich frage mich manchmal, wie hätten meine Lehrer sich verhalten. Wer mein Buch kennt, weiß ja, dass Shao mit mir eine Geistreise<br /> durchgeführt hat. Als ich sehr erschrocken war, hat er betont objektiv nur gesagt, das sei meine Zukunft. Er hat mich nicht aufgefordert, ich müsse trotzdem meinen Vater lieben. Nein, er meinte<br /> lediglich, das sei meine Zukunft. Ohne jegliche Wertung.<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br /> <br />
M
<br /> Liebe Kiat!<br /> <br /> Diesen Mann lieben geht wohl auch noch aus anderen Gründen nicht:<br /> Jemand, der seine eigene Tochter wie Dreck behandelt, den kann man nicht lieben und sollte es auch gar nicht versuchen aus Gründen der Selbstachtung.<br /> <br /> Was ich gut finde, Du haßt ihn nicht:<br /> Verachtung und Gleichgültigkeit denke ich sind die geeignetsten Mittel, Deinen Vater für sein Verhalten zu bestrafen und dabei selbst keinen seelischen Schaden zu nehmen.Ich denke, Du kriegst das<br /> schon gut hin.<br /> <br /> Hat Dein Erzeuger (Vater möchte ich sowas eigentlich gar nicht nennen, denn ein Vater verhält sich anders, siehe meiner) wirklich mal gesagt, daß er stolz darauf ist, mitgeholfen zu haben an der<br /> Tötung von Menschen?<br /> Oder ist er einfach nur stolz auf die wissenschaftliche Leistung, die nötig ist, eine solche Waffe wie die V2 zu bauen?<br /> <br /> Ich meine damit:<br /> Ich sage auch, daß die Wehrmacht die beste Armee der Welt war, das bezeugt schon die Dauer des 2ten WK, womit ich aber NICHT sagen will, daß ich es gut und richtig fand, WAS sie getan haben<br /> damals...<br /> <br /> Verstehst Du den Unterschied?<br /> <br /> Liebe Grüsse von Moira<br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Liebe Moira,<br /> <br /> <br /> doch, er hat mehrmals ganz stolz erzählt, dass er die Steuereinrichtung justiert hat und dass dadurch viele Engländer umgekommen sind. Er ist wirklich stolz darauf, am Töten mitgeholfen zu haben.<br /> <br /> <br /> Was du hier anführst hinsichtlich der verwendeten Technologien, da läuft die Diskussion auf einer anderen Ebene. Und viele Grundlagen, auf denen Waffen von heute basieren, entstanden in<br /> Deutschland. Aber das hat nur wenig mit meinem Vater zu tun!<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> Nein! Damit hast du wirklich nichts zu tun.<br /> Liebe Grüße<br /> Sabiene<br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Liebe Sabiene,<br /> <br /> <br /> es freut mich, dass du es genauso siehst.<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br /> <br />

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  • : Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
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