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23. September 2008 2 23 /09 /September /2008 07:36

Gestern rief eine Frau an und warf mir vor, ich sei ein böser Mensch, weil ich Tiere opfere. Sie habe das gelesen, Schamanen würden das machen.

Gewiss, zu meiner Zeit in der mongolischen Steppe wurde schon der beste Hammel geschlachtet, wenn der Schamane ein großes Orakel durchführen sollte. Er warf dann die Schulterknochen ins Feuer, es bildeten sich Risse und Sprünge, daraus erkannte der Schamane künftige Ereignisse. Die übrigen guten Teile wurden gemeinsam verspeist, zunächst nur von den Männern. Dabei drückte die Sitzordnung die Rangordnung aus. Je näher ein Mann beim Chan saß, desto höher war sein Rang in der Sippe. Die Frauen bekamen dann das zu essen, was die Männer übrig gelassen haben. Die schlechten Teile aßen die Hunde.

Ich war noch ein kleines Kind, da wurde das Vieh schwer krank. Weil ich blond und blauäugig bin, war natürlich ich daran schuld sein. Um die Dämonen zu besänftigen, sollte ich geopfert werden. Dazu wurde der Schamane befragt. Er erkannte in mir eine Schamanin, da war es aus mit Opfern. Ich war aber trotzdem erschrocken, denn eine Schamanin wollte ich nicht sein und auch keine werden.

Opfern war im Alltag in der Steppe alltäglich. Jeder, der z. B. Kumys trank, vergoss zuvor ein paar Tropfen auf den Boden für die Geister. Das Motiv dafür ist u. a. der Ausgleich: Wer viel hat, gibt von seinem Überfluss etwas ab an diejenigen, die wenig haben. Aber auch um die Geister zu besänftigen. Der Gedanke des Ausgleiches auch in materieller Sicht ist für das Überleben einer Sippe besonders wichtig. Eine Gesellschaft ist nur dann stabil, wenn die Unterschiede zwischen arm und reich nicht auseinander klaffen. In die heutige Zeit der globalen neoliberalen Gier passt das natürlich nicht, deshalb werden Opfer mehr und mehr uminterpretiert.

Früher und auch heute noch gibt es Blutopfer. Dabei handelt es sich meistens um schwarzmagische Rituale. Wer Dämonen beschwören und für seine Zwecke einsetzen will, muss dafür "bezahlen". Dämonen aber wollen kein Geld, nein, sie sind gierig nach Todesqualen von Lebewesen. Wer sich darauf einlässt, hat als Mensch schon verloren. Das Gefährliche an der Sache ist, dass solche Magie "Erfolg" bringt, aber einen sehr zweifelhaften. Die Dämonen verlangen immer mehr, also werden die Opfertiere immer zahlreicher und immer größer. Irgendwann ist dann der Schritt zum Menschenopfer nicht mehr weit.

Aber auch heute noch gibt es Blutopfer. In übertragenem Sinne ist jeder Verkehrstote ein Blutopfer, das dem Götzen "Immer schneller" gebracht wird. Denkt mal darüber nach! Oder wenn "Berater" der Bahn empfehlen, aus Kostengründen auf wichtige regelmäßige technische Überprüfungen zu verzichten und die Wartungsintervalle zu verlängern, auch wenn damit das Risiko rasant ansteigt, so dass sich mehr tödliche Unfälle ereignen. Die damit einkalkulierten Toten werden dem Götzen "Kosteneinsparung" geopfert.

Es hat in der Geschichte der Menschheit immer wieder Gesellschaften und Völker gegeben, die ihre Macht auf Blutopfer aufbauten. Nur diese Systeme sind ziemlich schnell wieder verschwunden.

Die Erzählung von Abraham und Isaak im Alten Testament ist für mich eine Glyphe dafür, dass damit für die Israeliten die Zeit der Menschenopfer beendet wurde. Vorher waren Menschenopfer durchaus an der Tagesordnung. Hier fällt mir auch der "Brauch" in Europa ein, früher nach dem Bau einer Brücke einen Menschen zu opfern, damit die Brücke hält. Da wurde halt dann ein Bettler erschlagen ...

Für mich sind die größten Opferer diejenigen Menschen, die Kriege anzetteln und/oder die Terrorakte durchführen, die sehr vielen Menschen das Leben kosten. Dieses organisierte gewaltsame Sterben von vielen Menschen wird meiner Ansicht nach von schwarzmagisch arbeitenden Gruppen ausgenützt, um Energie zur Durchführung ihrer Absichten zu gewinnen und zu transformieren.

(C) Copyright 2004-2008 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.

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Kommentare

Deva 07/09/2011 10:15


Ojamineh..die Arme..
Na Gastwirte werden ja auch sehr schnell pleite heutzutage. Die Imbissketten
werden dafür sorgen. Der wird auch noch eines besseren belehrt und er wird
aufhören so fies zu reden.

Liebe Grüße
Deine Deva


Deva 07/08/2011 09:56


Hallo Liebe Kiat

Also Du machst auch was mit.
Ja Menschenopfer gabs sogar im alten Testament. Ich weiß nicht, welcher Gott
dort damals angebetet wurde. Aber es war kein liebender Gott, sondern ich glaube
eher, daß da was ganz anderes als ein Gott angebetet wurde.
Er unterscheidet sich jedenfalls mächtig von Jesus Christus und *seinem* Gott.
Der Meinung sind auch Geschichtsforscher.
Aber das Du gleich solche Anrufe bekommst. Die Dame muss doch wissen,
daß Du sowas hier nicht praktizierst..hahaha..
Also manche sind schon wirklich einfach gestrickt.
Und es ist richtig. von den heutigen Opfern, die durch unsere Gesellschaftstuktur entstehen redet man nicht, daß das eigentlich auch Blutopfer sind.
Es wird zum Beispiel verheimlicht, daß es immer mehr Hartz4ler gibt, die sich umbringen. Das sind für mich auch Blutopfer. Oder wir Eltern. Wir opfern doch unsere Kinder auf dem Altar der
Wirtschaftsbosse, wenn wir sie in irgendein lächerliches Büro stecken, obwohl sie vielleicht lieber Tierarzt oder Biologe werden
wollten.
Sei es drum. Die Frau hat wohl nicht nachgedacht.
Liebe Grüße
Deine Deva


Kiat Gorina 07/08/2011 21:04



Liebe Deva,


ja, es stimmt, es gibt immer mehr Hartz IV Bezieher, die sich umbringen. Ich habe mal mit einem Gastwirt darüber gesprochen, der meinte dann: "Ist doch prima, wenn die sich umbringen, dann leben
sie nicht von meinem Geld!" So weit es schon gekommen! Solidarität mit den Kranken, Schwachen und Armen - das gibt es für viele Menschen nicht mehr! Und diehenigen, die sich derart hartherzig
auffühen, vergessen, dass sie selbst in eine solche Situation geraten können. Ich habe erst unlängst eine ältere Dame getroffen - ich hätte sie kaum wieder erkannt. Sie hat von ihrem Mann ein
hübsches Vermögen geerbt und hätte gut versaorgt leben können. Aber nein! Sie erlag den Einflüsterungen eines "Vermögensberaters" und hat alles verloren. Jetzt lebt sie von der Grundsicherung.


Nachdenkliche Grüße, Kiat



Reiner 09/25/2008 12:28

nicht schlecht deine ansichten

Kiat Gorina 10/21/2008 11:54


Danke!


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  • : Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
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