Wie wird ein Buch zum "Buch des Monats"? Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Mit Geld!
Bei der Ladenkette Thalia funktioniert das jedenfalls. Wenn ein Verlag genügend Kapital zur Verfügung hat, kann er sich bei Thalia einkaufen. Er zahlt Thalia 50.000 EUR und damit ist sein Buch "Thalia-Buch des Monats". Was hat der Verlag davon?
Nun, dieses Buch wird gut sichtbar präsentiert, so dass die Kunden geradezu mit der Nase drauf gestoßen werden. Und da ja viele Menschen keinen eigenen Geschmack und auch keine eigene Meinung haben, lassen sie sich leicht manipulieren und greifen zu.
Andere Titel landen einfach in den Regalen, da findet sie kaum ein Kunde. Es sei denn, diese Titel sind bereits Bestseller, die werden natürlich besser präsentiert.
Übrigens, Michael Busch, der Chef von Thalia bezeichnet diese Gelder als "Werbekostenzuschüsse".
50.000 EUR für einen Monat für einen Titel, welcher Verlag kann sich das leisten? Nur die ganz großen, wie Random House z. B. Aber wer nicht so viel investieren will oder kann, der ist "bereits" mit 15.000 EUR mit seinem Titel im Weihnachtsprospekt für das Jahr 2009 dabei.
Wenn jemand z. B. 600.000 EUR investiert, das bedeutet ein ganzes Jahr lang "Thalia-Buch des Monats", kann sicher sein, dass sein Titel verkaufsmäßig ein Renner wird, auf den Inhalt kommt es nicht mehr an. Und wenn dann eine Million Auflage erreicht wurde, dann ist der Break-Even-Point längst überschritten.
Wenn wir als Leserinnen und Leser das verhindern wollen, dann müssen wir nur Thalia boykottieren. Tun wir das nicht, dann bekommen wir bald nur noch Bestseller präsentiert, die keine sind. Und wollen wir das? Ich für meine Person will das absolut nicht. Also werde ich künftig um Thalia einen großen Umweg machen.
Ich möchte Bücher lesen, die nicht durch das Kapital, sondern durch die Leser bewertet werden. Ich bin sicher, andere Leser denken ebenso.
Weitere Informationen: Ein sehr interessanter Artikel in der SZ mit vielen Kommentaren
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