Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
5. Januar 2013 6 05 /01 /Januar /2013 19:53

TRANSLATE

"Huuuuuu ...", so schallte es immer wieder durch den herbstlichen Garten. Ich ließ Hacke und Unkrauteimer fallen und raste los. Das  Geheul nahm kein Ende, etwas Schreckliches musste passiert sein! 

Da, was war denn das? Da hing Muttern verzweifelt am Birnbaum und versuchte vergebens, hinaufzuklettern. Irgendwer oder - was musste sie zu Tode erschreckt haben, so leichenblass war sie. 

Aber was? Aus Muttern war außer "Huuuu!" und "Da! Da hinten! Siehst du sie denn nicht!" nichts herauszubringen.

"Wen denn nur? Ist Tante Lenchen zu Besuch gekommen? Die ist doch lieb, die tut dir doch nichts ...", versuchte ich - allerdings vergebens - Muttern zu   beruhigen. 

"Nein, daaaa ..." schrillte es weiter. So schaute ich mich überall genau um, auch hinter dem Komposthaufen,  der Haselhecke und am Bachufer. 

Aha, da lag etwas. Eine Sense. Und ein Stückchen weiter, neben einem zersensten Laubhaufen - da lag eine Ringelnatter. Ganz schlaff und reglos, mit einem langen Schnitt über ihren schönen bläulich glänzenden Leib. 

Ob die Arme Natter Muttern so erschreckt hatte? Um diese brauchte ich mich nicht mehr zu kümmern. Eine Nachbarin, Tante Lieselotte, hatte das Geheul auch gehört und war eilends herüber gekommen. Resolut ging sie daran, Muttern vom Baum zu pflücken und zu beruhigen. 

Und ich kümmerte mich um die arme Schlange. Aus dem Schnitt quoll  eine gräulich-bläuliche Flüssigkeit, das arme Tier blutete.So, was nun? Vorsichtig brachte ich die Natter ins Haus in mein Zimmer. Sie regte sich nur ganz wenig, es war schon recht kalt, dazu der Schock. Schnell mopste ich aus Mutterns üppig ausgestattetem Verbandkasten Mullbinden und Leukoplast. Mit dem Verarzten von Schlangen hatte ich keinerlei Erfahrung, und fragen konnte ich auch niemanden. So wischte ich Ringel vorsichtig sauber, wickelte eine Mullbinde um ihren Leib und klebte es locker mit Leukoplast fest. 

So, und wohin jetzt mit Ringel? Nach draußen konnte ich sie nicht setzen, wer weiß, wer siwe da draußen finden und womöglich auffressen würde. 

Ratlos sah ich mich in meinem Zimmer um. Außer dem Bett gab es da nur noch den Kleiderschrank und ein kleines Regal. Nicht das ideale Versteck für eine kranke Schlange. 

Halt mal, der Schreibtisch! der hatte immerhin vier Schubladen, in denen ich meine sonstige Habe verstaut hatte. 

Ich leerte die Schublade mit den Schulheften- und Büchern aus, holte Zeitungspapier und etwas Grasabfall und Laub. damit polsterte ich die Schublade aus und legte Ringel hinein. Dazu noch eine flache Schale Wasser und Mehlwürmer (die gab es für ein paar Pfennige beim Zoohändler). 

So, da war Ringel gut aufgehoben und der Schnitt würde in Ruhe heilen. Dachte ich. Drei Tage lang ging alles gut. Der Schlange ging es schon besser. Offenbar hatte sie sogar schon von den Mehlwürmern gegessen. 

Aber dann! Ich hatte ganz Mutterns Aufräumfimmel vergessen.Mit schönster Regelmäßigkeit stürmte sie mein Zimmer, riss die vollgestopften Schreibtischschubladen auf und kippte den Inhalt auf den Boden. Dann schrillte sie los: "Adolf! Komm und schau dir diesen Saustall an! Noch nicht einmal aufräumen kann dieses missratene LUder!" Dabei trampelte Muttern wild auf den Sachen herum. Dabei hauchte Zerbrechliches natürlich sein Leben aus. Auch mein Schulfüller fiel ihr zum Opfer. 

Dann gab es den üblichen Ärger, der für mich jedesmal mit einer Reihe blauer Flecken endete. 

Und diesmal? Mit viel Krach und Gezeter landete der Inhalt der drei ersten Schubladen am Boden. Dann kam Ringels Behausung dran ... 

Ahnungsvoll stand ich in der Tür. Wenn das nur gutging! Die arme Schlange! 

Krachbumm -"Haaaah - oh- mein Herz -huuuuh - Adolf! Adolf! Das Luder will mich umbringen! Mit einer Giftschlange! Schnell, ruf die Polizei!" 

"Muttern? Hast du nicht was vergessen?" Ich war stocksauer! Sie konnte sich gar nicht so erschrocken haben. Einmal fehlten die vielen "Huuuhs", und für einen ihrer üblichen Herzanfälle kreischte sie viel zu laut und viel zu lange. Einem Menschen mit Herzprobllemen bleibt bekanntlich die Luft weg, und dann kann man nicht schreien. 

Trotz Herzanfall raste Muttern mit beachtlichem Tempo nach unten, wo sie Vatern lautstark mein Giftattentat schilderte. Dann fiel ihr wieder ein, dass sie ja einen Herzanfall hatte. Und das Gekreische wandelte sich zu halb geschluchzten Huu-huu-hhuus und regelmäßig eingebautem Röcheln. 

Gut, so hatte ich Zeit, nach Ringel zu suchen. Hinten unter dem Kleiderschrank wurde ich fündig, angelte meine etwa 60 Zentimeter lange Patientin hervor und stopfte sie in meine Bluse. Mit meinem schlangenartig ausgewöbten Kleidungsstück kam ich unentdeckt in den Garten, wo ich Ringel den Verband abzog. Der Schnitt war gut verheilt, und Ringel schlängelte sich gewandt davon, um sich für den Winterschlaf irgendwo einzuringeln. 

Und ich trollte mich ins Haus, mir ahnte schon, was mir da blühen würde. Genau, das hatte ich erwartet. Vatern zog seinen Schuh aus, um damit auf mir herum zu trommeln. Und Muttern holte wie üblich ihren riesigen Kochlöffel, den sie sehr geübt einsetzte. 

Autsch, dieser doppelte Trommelwirbel tat ganz schön weh, meine Nase tropfte wieder mal wie ein roter Wasserhahn, und dann ... Ja, plötzlich endete das Trommelkonzert. Die beiden hatten sich gegenseitig mit ihrer Bewaffnung auf die Pfoten gedroschen ...

 

Ringelnatter in Linienbus - Schlangenexperte R.P. Bulkow klärt auf
Hochgeladen von wwwwirSiegende am 13.05.2011

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentare

minikrake flora 01/08/2013 21:31


gern geschehen ! * der wölfin im gesicht kleb und mit keksen werf *

minikrake flora 01/08/2013 05:59


also für mich sind schläge nicht " normal " sondern ausdruck von aggression und fehlenden argumenten.


das was dein vater da tat war unrecht.


aber da deva schon wieder schneller war, häng ich mich einfach hinten dran und wünsche dir einen wunderhübschen dienstag.


 



Kiat Gorina 01/08/2013 17:45



Vielen Dank für deine Verständnis! Und dir wünsche ich auch einen guten erfolgreichen Tag!



DEVA8 01/06/2013 21:02


Ja klar...meist zieht eine Lüge, Hundert nach sich...


Aber Dein Vater hat sich auch schon zu Lebzeiten bestraft...


denn so jemand, konnte niemandem mehr glauben.


Ein schreckliches Leben in Hass, Angst, Misstrauen und Groll.


Nicht zu beneiden.


Da hast es Du jetzt besser. Du wirst gemocht und geehrt, wenn auch


einige Idioten die von vorgestern sind, anderer Meinung sind.


Die ewig Gestrigen zählen nicht mehr.


Die Zeit wird sich für sie schon bald ändern.


Hab einen schönen Abend Kiat


Deine Deva


 


 

Kiat Gorina 01/06/2013 23:14



Vielen Dank für deine lieben Worte! Dir wünsche ich auch eine gute Nacht und einen guten Start in den morgigen Tag!



Heike 01/06/2013 19:32


Eigendlich fällt mir hierzu nicht mehr viel ein, außer das was ich schon öfters geschrieben habe…


Ob Schläge damals noch "Normal" waren. Nun ich denke bei einigen ja. Von meinen Eltern her kenne ich es nicht, und auch mein Großvater, erzählte meine Mutter, war seiner Zeit wohl weit vorraus!
er hat nicht geschlagen - und dass zur Zeit des Dritten Reiches. Kennengelernt habe ich leider nie, wie schon mal geschrieben, hat er nach der Vertreibung Selbstmord gemacht.  Und in Schulen
- in meiner Deffinief Nein! Was wohl auch an der Art der Schule lag… eben Gesamtschule, die ehr  Fortschirtlich war.


Von anderen Schulen habe ich es schon gehört, bis in den 70iger - 80iger Jahren rein.

Kiat Gorina 01/06/2013 20:29



Wer wehrlose Kinder prügelt, ist ein amer Mensch. Arm im Geiste auf jeden Fall!



xamantao 01/06/2013 18:24


Das sind schlimme Geschichten, die Du in der Kindheit erleben musstest. Damals war es ja auch eine gängige Erziehungsmethode, Kinder zu schlagen und auch, dass Männer ihre Frauen prügeln.


Wenn man mal überlegt, dass es sich noch längst nicht überall in Deutschland herumgesprochen hat, dass auch Kinder Rechte haben, und dass erst 1956 die Gleichberechtigung von Männern und Frauen
gesetzlich verankert festgeschrieben wurde... Es liegt immer noch vieles im Argen.

Kiat Gorina 01/06/2013 20:23



Da stimme ich dir voll zu! Was die Wahrung der Menschenwürde angeht, da gibt es auch im heutigen Deutschland noch viel zu tun!


Und die eingerichteten Jobcenter müssten genau genommen Folterzentren heißen, das käme der Wahrheit näher. Grund:


Wenn diese Jobcenter sanktionieren, i. e. die Bezüge eines Hartz-Vier-Beziehers kürzen - bis um 100 Prozent, dann bedeutet das für die Betroffenen Nahrungsentzug. Und Nahrungsentzug gilt
international als Folter!


Ergo: Diese Jobcenter praktizieren Folter - millionenfach! Das ist doch eine Riesenschande für dieses Land! Eine Riesenschande für alle Bundestagsabgeordneten, die bei einer Abstimmung wegen der
Abschaffung der Sanktionen SGB II und SGB XII mit Nein gestimmt haben, all diese Abgeordneten sind demnach für Folter! Solche Politiker sind doch nicht wählbar! Sie akzeptieren Folter und tragen
das christliche C im Namen ihrer PArtei! Oder das sozialistische S ...



Über Diesen Blog

  • : Blog von Kiat Gorina
  • Blog von Kiat Gorina
  • : Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
  • Kontakt

Suchen