Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
17. Februar 2012 5 17 /02 /Februar /2012 18:54

Vor einigen Tagen waren wir nachmittags unterwegs, da trafen wir in einem kleinen Städtchen den älteren Herrn wieder - wir hatte des öfteren Worte gewechselt. Heute fragte er uns, ob wir mit ihm ins Café gingen. Aber ja doch - wir hatten uns immer sehr nett unterhalten.

Im Café bestellte er für sich heiße Schokolade. Das machte ihn mir sehr sympathisch. Die meisten Männer mögen zwei auch Schokolade, aber öffentlich zugeben, dass sie gerne eine heiße Schokolade trinken, das machen sie nicht. Dann fragte er mich: "Was machen deine Leser, Kollegin? Ich lese täglich in deinem Blog, er gefällt mir sehr gut!"

Kollegin? Schreibt er selbst einen Blog? Nein, danach sah er nicht aus. Mein Bär - mit seinem Elefantengedächtnis - fragte ihn geradezu: "Du hast doch früher viel geschrieben ..." Er nickte grinsend: "Aber erzählt das nicht weiter, ich lebe hier sozusagen inkognito."

Da dämmerte es mir - ich erinnerte mich an sein Gesicht. Und jetzt lebt er in diesem kleinen Städtchen. Ja, wieso eigentlich nicht. Da kennt ihn niemand, er hat seine Ruhe.

Dann antwortete ich auf seine Frage: "Eigentlich sind es überwiegend Leserinnen ..."

"Nicht unbedingt, nur schreiben die meisten Männer weniger Kommentare. Oder es sind Wichtigtuer, die immer ihren Senf dazu geben müssen." Und dann fragte er mich: "Du bist kriisch - und das ist das Schlimme daran - du schreibst die Wahrheit! Ich denke, du hast einige Schwierigkeiten dewegen."

Ich nickte sorgenvoll und erzählte ihm, was für Schikanen sich das Landratsamt ausgedacht hatte. Er hörte aufmerksam zu und meinte: "Schreibe doch eine kurze und knackige Pressemitteilung und schicke sie den Zeitungen. Auch den internationalen, am besten die englische Übersetzung."

Eine gute Idee - wieso bin ich nicht früher darauf gekommen. Zuhause hatten wir sehr schnell eine Pressemitteilung formuliert. Und die Übersetzung? Da fiel mir eine alte Bekannte ein, sie wuchs zweisprachig auf - englisch und deutsch. Ob sie mir das kurz mal übersetzt?

Also angerufen - ja, ich solle es ihr schicken - als Mail. Auch das war schnell erledigt. Es dauerte nicht lange, dann rief sie an: "Du, das kann ich dir nicht übersetzen! Das ist so grausam! Das zieht mich total runter! 

Nun ja, wenn sie meint? Ich bedankte mich bei ihr, dass sie sich den Text angeschaut hatte und überlegte. Dann las ich noch einmal meinen Text. was soll da grausam sein? Es sind halt Tatsachen, wie ein Landkreis und seine Behörden mit einer Schriftstellerin wie mir umspringen. Damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt, hier ist der Text:

PRESSEMITTEILUNG

Hexenjagd in Deutschland: Behörde zwingt Schriftstellerin, Giftwasser zu trinken!

Das Land der Dichter und Denker? Im Gegenteil! Wer hier ein Buch veröffentlicht oder es gar wagt, politische Glossen zu schreiben, er lebt gefährlich! Das merkt auch eine Deutsch-Mongolin. Seit ihr Buch "Kiat Gorina - Die Schamanin, die keine sein wollte" auf dem Markt ist, reißen die Attentate und die Schikanen nicht mehr ab. Sie wohnt auf ihrem kleinen Hof, in der Nähe eines Dorfes. Und wird immer wieder massiv bedroht. 

Ihre junge Eselstute starb qualvoll. Sie wurde im Stall vergiftet. Eine versuchte Vergewaltigung, versuchte Brandstiftung: Sie kennt die Namen der Täter, hat die Autonummern. Aber - „die Täter konnten nicht ermittelt werden“ - schreibt die Staatsanwaltschaft. 

Eine Hausdurchsuchung der Polizei. Zu viert marschierten sie auf, drohten der Schriftstellerin Gewalt an, durchwühlten ihr Anwesen und fotografierten jeden Winkel. Warum? Das weiß sie bis heute nicht! 

Dann sollte die erste Lesung ihres Buches stattfinden. Da griff der Dekan der evangelischen Kirche ein: er erteilte ihr Hausverbot, obwohl der Raum nicht zu seinem Dekanat gehört. Und er erteilte ihr Hausverbot für sämtliche kirchlichen Räume im Dekanat Windsbach. Einschließlich Kirchen! Aber warum? 

Das Buch handelt von Kindheit und Jugend der Autorin in der mongolischen Steppe. Es wurde schon im Deutsch-Unterricht an einem Gymnasium als Klassenlektüre verwendet. 

Der Landkreis Ansbach will offenbar diese Schriftstellerin unbedingt los werden. Vom Landratsamt werden ihr vollkommen widersinnige Auflagen gemacht. Weil die Frau ihren Hof trotzdem nicht verlassen will, wird sie nun vom Amt gezwungen, tödliches "Trinkwasser" zu nutzen! Unglaublich – aber wahr! 

Wie das? Der Hof hat seinen eigenen Brunnen. Aber es gibt ein dickes Rohr für Löschwasser. Das geht vom Dorf bis zu ihrem Hof. Darin stehen seit zehn Jahren mehrere tausend Liter Wasser. Im Wasser sind immer Keime enthalten, wie Legionellen und Pseudomonas aeruginosa. Diese vermehren sich explosionsartig, verdoppeln sich alle zwanzig Minuten. Und sie sind tödlich! 

Deshalb warnt jedes andere Amt vor Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung steht. Es ist zu gefährlich für menschlichen Gebrauch. Nicht so das Landratsamt: Wenn die Schriftstellerin das tödliche Wasser nicht freiwillig nimmt, muss sie ein hohes Zwangsgeld zahlen. Warum nicht gleich der Scheiterhaufen?

Uranwert Trinkwasser Leitungswasser Messwerte Foodwatch wmtv


Diesen Post teilen
Repost0

Kommentare

D
Logo *festedaumendrück*<br /> <br /> Knuddel Deine Deva
Antworten
M
ich überlege schon ob ich euch beim übersetzen helfe !<br /> <br /> bin diesbezüglich allerdings entstaubungssuchend. was das englische betrifft bin ich schon eine ganze weile nicht mehr aktiv gewesen und würde wohl eine zeit brauchen, aber ich täte wollen.
Antworten
K
<br /> <br /> Liebe Flora, vielen Dank für dein Angebot! Wenn wieder Bedarf ist, nehmen wir dich beim Wort <br /> <br /> <br /> <br />
D
Hihi Klasse Kiat.<br /> Endlich kommst Du da in die Puschen.<br /> Ich war ja dafür,sich zu wehren.<br /> Wieso Deine Freunde Dich allerdings so oft hängen lassen,<br /> ist mir ein Rätsel. Ich hätte Dir das übersetzt, gerade weil<br /> das grausam ist und endlich was getan werden muss.<br /> Du kannst übrigens Dein Buch selbst verlegen.<br /> Ich werde das jetzt auch machen.<br /> Du gehst einfach in einer größeren Stadt in den Copyshop und<br /> lässt Dir die Seiten kopieren und binden.<br /> Das ist nicht einmal so teuer.<br /> Ich kann Dir da in Nürnberg eine Adresse geben.<br /> Dort hat unser Pfarrer Weidinger, eigentlich ein<br /> rebellischer Pfarrer, man nennt ihn hier auch den Robin Hood<br /> der evangelischen Kirche, sein Buch verlegt, mit all seinen<br /> Erfahrungen, die der Kirche nicht so gepasst hat ;-)<br /> <br /> Schick das erstmal raus, Du wirst gute Übersetzer finden,<br /> vielleicht kommen sie dann automatisch auf Dich zu.<br /> Ich drücke Dir die Daumen.<br /> <br /> Liebe Grüße<br /> Deine Deva
Antworten
K
<br /> <br /> Vielen Dank für deine Ratschläge und Daumen Drücken <br /> <br /> <br /> <br />
K
Gute Idee! Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte! Ich bin schon gespannt darauf!
Antworten
K
<br /> <br /> Dann mache ich mich ans Werk <br /> <br /> <br /> <br />
S
Auf dein Video freue ich mich!
Antworten
K
<br /> <br /> Dann muss ich es wohl produzieren <br /> <br /> <br /> <br />

Über Diesen Blog

  • : Blog von Kiat Gorina
  • : Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
  • Kontakt

Suchen