Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
30. September 2012 7 30 /09 /September /2012 01:43

TRANSLATE

Da schrieb ich über den vierten Armutsbericht dieser Repubik - unter anderem: "Abgelenkt soll von der Tatsache, dass immer weniger Superreiche immer mehr Vermögen besitzen. In Zahlen: Zehn Prozent der reichsten deutschen Haushalte besitzen über die Hälfte des gesamten Vermögens in Deutschland!"

Und weiter: "Nehmen wir die Hälfte der unteren einkommensschwachen Haushalte - deren gesamtes "Vermögen" beläuft sich nur auf ein Prozent des gesamten bundesdeutschen Vermögens! Und die Kluft zwischen Superreich und Arm klafft immer weiter!"

Da stellte ich mir die Frage: Was würde heutzutage der Schriftsteller und selbsternannte "Moralist" dazu sagen? Ich habe seine Antwort gefunden. In seinem Gedicht "Ansprache an Millionäre" - angesichts der galoppierenden Inflation müsste es allerdings Milliardäre heißen.

Das Problem mit diesen Millionären resp. Milliardären gab es wohl schon 1930, da erschien Kästners Gedichtesammlung "Ein Mann gibt Auskunft":

 

Ansprache an Millionäre

Warum wollt ihr solange warten, 
bis sie euren geschminkten Frauen 
und euch und den Marmorpuppen im Garten 
eins über den Schädel hauen?

Warum wollt ihr euch denn nicht bessern? 
Bald werden sie über die Freitreppen drängen 
und euch erstechen mit Küchenmessern 
und an die Fenster hängen.

Sie werden euch in die Flüsse jagen. 
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein. 
Sie werden euch die Köpfe abschlagen. 
Dann wird es zu spät sein.

Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen öten. 
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern. 
Sie werden kommen und schweigen und töten. 
Niemand wird über euch trauern.

Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern? 
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren 
Rollen und Bündel und Barren speichern? 
Ihr werdet alles verlieren.

Ihr seid die Herren von Maschinen und Ländern. 
Ihr habt das Geld und die Macht genommen. 
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern, 
bevor sie kommen?

Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln! 
Ihr seid nicht gut. Auch sie sind's nicht. 
Nich euch, aber die Welt zu verwandeln, 
ist eure Pflicht!

Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig. 
Ihr sollt euch keine Flügel anheften. 
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig. 
Wir sprechen von Geschäften. 

Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen. 
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken. 
Die Welt verbessern und dran verdienen - 
das lohnt drüber nachzudenken.

Macht Steppen fruchtbar. Befehlt, Legt Gleise. 
Organisiert den Umbau der Welt! 
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise 
mit sehr viel Geld ...

Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten, 
Uns tut es leid. Ihr werdet's bereuen. 
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten! 
Es wird uns freuen.

Und passend dazu von Erich Kästner der "Hymnus auf die Bankiers" - erschienen 1929:

Erich Kästner „Hymnus auf die Bankiers" (1929)
Hochgeladen von wortlover am 10.01.2012

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentare

Denise 07/28/2013 09:04


Diese Superreichen sind sehr dumm! Sie wollen alles für sich behalten, also werden sie eines Tages alles verlieren, spätestens an ihrem Todestag! Was wollen sie mitnehmen?

Kiat Gorina 07/28/2013 10:26



Nichts können sie mitnehmen! Das Leichenhemd hat keine Taschen!



Lelala 07/26/2013 08:45


Kästner hat doch recht?


Wenn einer der Superreichen sein Geld behalten wollen würde, würde er sich bemühen, dass "die anderen" zumindest so viel haben, dass sie nicht auf die Idee kommen gegen andere loszuziehen und
diese aufzuhängen - was aber die Superreichn aktuell machen ist, nicht das System zu entschärfen/etc., sondern noch schneller dafür zu sorgen, dass sie sich selbst abschaffen....


 

Kiat Gorina 07/26/2013 10:32



Kästner prophezeite auch den Superreichen, dass irgendwann die Armen aufstehen und dann die Supereichen an den Fenstern hängen. Ich habe das Gefühl, dass dieser Tag immer näher rückt! Heiner
Geißler sagte einmal: Geld gibt es wie Heu, es ist nur falsch verteilt!


Also Leute, verteilt das Geld gerechter und ihr lebt in Frieden. Wollt ihr dagegen Krieg, dann gibt es auf beiden Seiten viele Tote! Muss das wirklich sein?



Juliane 10/01/2012 08:45


Hallo Kiat,


da gebe ich Dir vollkommen recht, diese Leute sind in der Minderheit, viel besser wäre es, würden entsprechende Gesetze erlassen werden. Möglicherweise muss sich alles noch mehr zuspitzen,
freiwillig passiert da nüscht weiter. Die Spanier, Portugiesen und Franzosen machens vor...


LG, Juliane


 


 


 


 

Kiat Gorina 10/01/2012 19:54



Diese Elite der Reichen und Superreichen will einfach so weitermachen wie bisher! Wenn der deutsche Michel erst mal gemerkt hat, was mit ESM auf ihn zukommt, dann wird er sehr böse werden ...



Katharina vom Tanneneck 09/30/2012 23:47


Geschichte wiederholt sich und sie haben nichts daraus gelernt! Auch wenn sie sich heute besser schützen, es wird ihnen nicht helfen.


Dabei könnte es so einfach sein, wenn Politiker ein bißchen mehr Verstand und Vernunft hätten. Danke für das Gedicht von Kästner!

Kiat Gorina 10/01/2012 08:02



Ja, es könnte so einfach sein - aber die par Superreichen wollen immer mehr! Wozu eigentlich? Ihr Leichenhemd hat keine Taschen!


Und ihre Vasallen - die bezahlten Politiker - machen bei diesen üblen Spielchen noch mit!



Sabienes 09/30/2012 12:16


"Herr Kästner, wo bleibt das Positive?" wurde Erich Kästner ja vorwurfsvoll gefragt.


Dabei finde ich seine Beobachtungsgabe immer äußerst positiv.
Negativ ist nur, dass sich nichts geändert hat, oder?


LG


Sabienes

Kiat Gorina 09/30/2012 20:11



Es hat sich schon einiges geändert - und auch viele Menschen haben sich verändert. Allein, dass gestern wieder 10.000 S21-Gegner demonstriert haben! Oder denke an die Occupy-Bewegung, die sich
neu formiert. Und wenn erst die Masse erkannt hat, welche schlimmen Auswirkungen ESM für die kleine Frau und den kleinen Mann hat, dann wird es ein böses Erwachen geben! Dann wird eine riesige
soziale Bomb hochgehen!



Über Diesen Blog

  • : Blog von Kiat Gorina
  • Blog von Kiat Gorina
  • : Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
  • Kontakt

Suchen