Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
19. September 2008 5 19 /09 /September /2008 21:30

Immer wieder werden mir Fragen gestellt, die zeigen mir, dass Menschen sich hierzulande unter einer Schamanin was weiß ich vorstellen. Wenn ich dann die Fragen beantworte, habe ich den Eindruck, dass ich Illusionen zerstöre.

Manche meinen ja, ein Schamane sei eine Art Übermensch. So wie ich es sehe, ist ein Schamane ein Mensch, er mag zwar irgendwelche Fähigkeiten haben, die andere nicht haben, aber er ist und bleibt ein Mensch.

Mir begegnen immer wieder Menschen, die enttäuscht sind, dass es auch unter den Schamanen schlechte Menschen gibt. Warum auch nicht? Wieso muss in Esoterikkreisen alles gleich idealisiert werden? Ihr könnt diese Welt nicht nur durch die rosarote Brille sehen!

Seid wann gibt es Schamanen? Ich denke, schon sehr lange. Als der Mensch sich vom Pflanzen- und Kleinsttiersammler zum Jäger wandelte, da wurden die zu erlegenden Tiere an eine Felswand gemalt, nicht aus Spaß an der Freude, sondern das war eine magische Handlung. Die nächste Jagd sollte erfolgreich sein.

Als die Menschen sich zu Sippen zusammenschlossen, da brauchten sie jemand, der die Sippe beraten konnte. Schamanen waren für das Überleben der Sippe verantwortlich, also für ganz weltliche und weniger spirituelle Angelegenheiten:

  1. Gesunderhaltung von Tier und Mensch
  2.  Ausgleich: Heute wird meist geschrieben, dass ein Schamane für den Ausgleich zwischen Himmel und Erde zu sorgen hat. Das war bei den ersten Sippen sicher weniger der Fall. Der Schamane sorgte für das Gleichgewicht des gesellschaftlichen Systems der Sippe, d. h. er schritt ein, wenn einige Mitglieder immer reicher und andere immer ärmer wurden. Grund: In jeder Gesellschaft, in der die sozialen Verwerfungen immer heftiger werden, kommt es zu Streit. Streit bedeutet Kampf und damit letztendlich (Selbst-)Zerstörung der Sippe. Das Hauptziel ist und bleibt die Erhaltung und Fortpflanzung der Sippe!
  3. Wahrer der Mythen: Der Schamane erzählte von seinen Reisen in anderen Welten, er bewahrte die Erlebnisse der Sippe und gab sie an die folgenden Generationen weiter. Das geschah oft in Gesängen, mit Trommeln und andern Instrumenten, in Tänzen bis hin zur Trance. Kritik am Verhalten einiger Sippenmitglieder wurde oft in solche "Darbietungen" verpackt.
  4. Stellung: Schamanen waren einerseits gefürchtet, aber wurden andererseits als notwendiges Übel betrachtet. Meistens stellte der Schamane der Sippe sein Ger am Rand des Lagers auf. Ich habe nur einmal erlebt, dass der Schamane sein Ger neben dem des Chan errichten durfte. Dieser Schamane wurde übrigens einer meiner Lehrer ...


Schamanen sind auch nicht frei von Fehlern. Ich habe welche erlebt, die waren gierig, denen ging es weniger um die Sippe als um ihren persönlichen Reichtum. Für den Chan einer solchen Sippe wurde es dann schwierig, denn einen solchen schlechten Schamanen davon zu jagen, das traute sich auch kein Chan. Die einzige Chance war dann, auf einen anderen Schamanen zu hoffen und dann beide einer "Prüfung" zu unterziehen. Ich habe mal ein solches "Schamanen-Duell" miterlebt ...

Wie gesagt, Schamanen sind Menschen und verhalten sich wie Menschen. Unter ihnen gibt es Exemplare, die nur auf ihren Vorteil aus sind und andere, die das Überleben der Sippe höher stellen als ihre eigene Existenz.


(C) Copyright 2004-2011 by Kiat Gorina, Windsbach

Diesen Post teilen

Repost0

Kommentare

aziela 06/24/2011 20:07


das hast du sehr ausführlich und klar geschrieben! das klingt völlig authentisch. ganz anders als das gelabere von den möchtegern-schamanen.


Kiat Gorina 06/24/2011 22:23



Liebe Azi, vielen Dank für dein dickes Lob! Liebe Grüße, Kiat



Über Diesen Blog

  • : Blog von Kiat Gorina
  • : Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
  • Kontakt

Suchen