Selbsthilfegruppe? Feine Sache, dachte ich auch mal, und schloss mich einer Diabetiker-Gruppe an. Anfangs waren diese Gruppen für den Erfahrungsaustausch und Vorträge verschiedener Fachleute da. Ernährungsberater, Ärzte, auch mal Pharma-Leute. Die wurden von den kritischen Zuhörern ins Kreuzverhör genommen. Man konnte eine Menge lernen und wusste auch über die Wirkungen und Nebenwirkungen der verschiedenen Insuline Bescheid.
Und heute?
Nehmen wir wieder die Diabetiker. Von denen gibt es über 4,5 Millionen, und es werden immer mehr. Daran verdient sich die Pharma-Industrie eine goldene Nase. Und offenbar unterwandern sie die Gruppen oder bauen welche auf, die nach ihrem Takt "marschieren", will sagen ihr Insulin spritzen.
Wie läuft so was ab? Ich habe es am Beispiel einer guten Freundin gesehen. Die ist erst seit wenigen Jahren zuckerkrank. Sie war immer sehr sportlich und von Natur aus schlank. Mit ihren Spritzen kam sie auch ganz gut zurecht. "Wenn nur diese blöde Spritze um zehn Uhr abends nicht wäre", stöhnte sie oft, "Du weißt doch, ich bin Frühaufsteherin, und gehe gern zeitig ins Bett."
Dann kam der große Umschwung: Ihr Diabetologe schlug ihr vor, doch eine eigene Selbsthilfegruppe für Diabetiker zu gründen. "Sie sind intelligent und energisch dazu. Solche Leute werden gesucht, weil die Schwung in lahme Vereine bringen. Überlegen Sie mal, ob Sie das reizen würde."
Als ihr dann noch ein Schreiben einer bekannten Pharma-Firma ins Haus flatterte, war sie vollends begeistert. "Stell dir vor", so jubelte sie am Telefon, "die Firma XY will unsere Selbsthilfegruppe unterstützen und ich bekomme von ihr einen richtig guten PC mit allen Schikanen!"
"Ja, aber, die Sache hat doch einen Haken?", bohrte ich nach. "Was musst du denn dafür machen? Werbung für den Laden laufen?"
"Ach was, du bist wieder mal viel zu misstrauisch." Sie lachte. "In so einer Gruppe kann ich mich endlich verwirklichen. Du weißt doch, dass ich gern alles in die Hand nehme. Außerdem haben die ein ganz tolles Langzeitinsulin, da haben sie mir alle Infos zu geschickt. Da muss ich abends spät gar nicht mehr spritzen! Das ist doch auch was für dich, du spritzt doch immer noch dieses altertümliche Zeugs" Sie jubelte immer weiter ...
Uff, ich war wie erschlagen. Dieser wortgewaltigen Lady war ich nicht gewachsen. Und was es mit ihrem viel gepriesenen neuen Insulin auf sich hatte, würde sie irgendwann selbst merken. In den USA war das bewusste Insulin nämlich wegen der hohen Gesundheitsgefährdung längst verboten. Die Gefahr, blind zu werden, ist sehr groß, weil die Verwendung dieses Insulins häufig zur Retinopathie (Netzhautablösung) führt.
Und es verursacht Lipoatrophie (Fettabbau). Die Patienten bekommen regelrechte bis faustgroße Löcher dort, wo sie öfter hin spritzen. Wohin das führen kann, hatte ich bei einer neuen Diabetologin gesehen. Im Wartezimmer saßen lauter wacklige klapperdünne Gestalten, die meisten mit speziellen orthopädischen Schuhen an den Füßen. Wir kamen ins Gespräch. Dabei erfuhr ich, dass ausnahmslos alle dieses bewusste Insulin spritzten. Die Diabetes-Ärztin schwor darauf und in den Selbsthilfegruppen wurde eben dieses Insulin über den grünen Klee gelobt!
Da konnte es doch nicht für den jämmerlichen Zustand all dieser Leute verantwortlich sein!
Tatsache ist, dass meine wortgewaltige Freundin immer dünner wird, ihren Sport musste sie aufgeben, unter anderem, weil ihre Augen zu schlecht geworden sind ...
So, wem helfen diese Selbsthilfegruppen denn eigentlich? Außer gewissen Pharmafirmen?
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Da wirds wohl bald Selbsthilfe-Selbsthilfegruppen geben. (?) Gibt ja auch ne Menge Selbsthilfegruppen.<br />
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Wenn ich da denke was bei so manchen Selbsthilfegruppen abgeht, dann ist das eher ne Werbeveranstal(l)tung.<br />
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Da helf ich mir lieber selbst.
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Liebe Flora,<br />
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stimmt, das ist ja das Problem vieler Selbsthilfegruppen, oft dienen sie lediglich zur Selbstdarstellung von Menschen. Und die Sponsoren in der Industrie nützen das natürlich aus.<br />
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Liebe Grüße, Kiat<br />
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F
Flora
04/04/2009 18:34
Eindeutig den Pharmafutzis würd ich jetzt mal so sagen.