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1. November 2011 2 01 /11 /November /2011 22:53

Folgender Fall: Ein Pfleger arbeitet im Krankenhaus, angestellt bei der Caritas, also ist die katholische Kirche  sein Arbeitgeber. Nun hat dieser Pfleger ein Hobby: Er schreibt und veröffentlicht satirische Texte über den Papst - unter Pseudonym.

Sein Pseudonym wird enttarnt - sein Arbeitgeber ist der Meinung, dass der Pfleger öffentlich den Papst beleidigt hat. Der Arbeitgeber droht mit der fristlosen Kündigung. Aber dann schließt er mit dem Pfleger einen Aufhebungsvertrag.

Der Pfleger meldet sich arbeitslos, die Arbeitsagentur müsste ja Arbeitsgeld zahlen. Nein, meint sie, und sperrt ihn für zwölf Wochen! Erst dann gibt es Geld. Diese Causa landet vor dem Landessozialgericht von Baden-Württemberg und die Richter geben der Arbeitsagentur Recht.

Begründung: Wer bei einer kirchlichen Einrichtung angestellt ist, müsse sich auch außerdienstlich so verhalten, dass kein Widerspruch zu den Grundsätzen des Beschäftigungsbetriebs entstehe.

Ich habe den Eindruck, dass die Auslegung der Sozialgesetze in dieser Republik immer mehr zurück ins Mittelalter fallen. Das Recht auf freie Meinung? Das gibt es nicht mehr! Die Mitarbeiter haben zu parieren, wer das Maul aufmacht, steht auf der Straße. Oder wird abgestraft und kriegt kein Geld! 

Wohlgemerkt, ich mache den Richtern keinen Vorwurf - sie halten sich punktgenau an die Gesetze. Nur sind das schlechte Gesetze! Das zeigt sich immer wieder. Gerade die Sozialgesetzgebung - da wimmelt es von Widersprüchen - die Sozialgerichte sind überlastet. Gerade die Bescheide der Agenturen werden angefochten, zwei Drittel der ausgestellten Bescheide werden von den Sozialgerichten beanstandet!

So, jetzt stellen wir uns mal vor, es gebe das bedingungslose Grundeinkommen. Das würde die Auswirkungen abfedern. Die katholische Kirche als Arbeitgeber entlässt den Pfleger oder beide einigen sich zu einem Aufhebungsvertrag. Aber der Pfleger hat ja immer noch sein Grundeinkommen. Er kann sich in Ruhe einen anderen Arbeitnehmer suchen. 

Er wird also nicht "bestraft", weil er den Papst angeblich beleidigt hat. Er kann weiterhin seine freie Meinung äußern. Aber genau das ist einer der Gründe, weshalb die derzeit herrschende Elite das bedingungslose Grundeinkommen fürchtet wie der Teufel das Weihwasser: es gibt dann keine finanzielle Druckmittel mehr, um kritische Menschen gefügig zu machen! 

Mit einem bedingnungslosen Grundeinkommen können Menschen ohne Druck der Behörden in Würde - jedoch bescheiden - leben. Was machen sie dann den ganzen Tag? Hängen sie nut an der Bierflasche? Oder bilden sie sich weiter? Informieren sie sich? Erkennen sie Zusammenhänge? 

Das sind ja Horrorvorstellungen für die heutige Elite, ein mündiges Volk, das gebildet ist, das Bescheid weiß, das sich nicht mehr wie bisher manipulieren und dressieren lässt! 

Deshalb wird die zahlenmäßig kleine Elite alles daran setzen, das bedingungslose Grundeinkommen zu verhindern! Ja, deshalb hat ja die Bundeskanzlerin angeboten - einen Mindestlohn von 6,90 Euronen pro Stunde! Sie meint, sie könne damit das bedingungslose Grundeinkommen verhindern.

Nein, damit können sie und andere nichts verhindern. Denn es gilt immer noch: WIR SIND DAS VOLK!

Quelle: taz.de Papstsatire führt zu Sperre von ALG

Diesen Link schickte mir Juliane. Vielen Dank, Juliane!



Papstspott: Streit um Satire


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Kommentare

Helly 11/02/2011 18:21


Apropos Papst. Ich habe neulich den Film über Luther gesehen. Vielleicht magst du mal darüber schreiben? Der Film war brilliant!
Deine Helly
PS: Entschuldige, dass ich solange nichts geschrieben habe...


Kiat Gorina 11/02/2011 20:22



Das freut mich, dass dir der Film gefallen hat. Ich habe ihn noch nicht gesehen. Von Luther weiß ich, dass sein richtiger Familienname "Luder" war, sein Vater war ein wohlhabender Kaufmann.
Luther änderte später seinen Namen. Nun ja, ich möchte ja auch nicht "Luder" heißen  Und Luther erzählte
öfters, dass er in einem armen Elternhaus aufgewachsen sei. Das kann aber nicht stimmen. Ausgrabungen in seinem Elternhaus legten einen tiefen Schacht frei, der war gefüllt mit Hühnerbeinen. Also
ließen sich die Luders es schmecken - demnach doch nicht so arm!


Kam das auch in dem Film vor?


Wenn dir der Film gefallen hat, vielleicht machst du in deinem Block eine Filmbesprechung. Ich denke, du bist dafür besser geeignet als ich 



Lady 11/02/2011 13:26


für Dich Kiat auch wenns hier nicht zum Thema passt,
das ist ein Riesenskandal

http://www.elo-forum.net/topstory/2011103138283.html

Amazon zockt Menschen ab, die HartzIV haben aber wie .... ich könnt ....


Kiat Gorina 11/02/2011 15:31



Vielen herzlichen Dank für diesen Link! Amazon als Sklaventreiber! Aber ich denke, Jeff Bezos ist es egal, woher das Geld kommt. Wahrscheinlich lacht er noch über diese "dummen"
Sklaven 



Lady 11/02/2011 13:24


das stimmt alles,
stimmig ist aber auch, dass wenn ich einen kathol Arbeitgeber habe, mir auch bewusst sein muss, dass ich da in einen Loyalitätskonflikt komme,

ich habe mir das lange überlegt, tät ich einen Angstellten haben, der die Intention meiner Firma derart durch den Kakao zieht, würd ichs vermutlich auch nicht akzeptieren,

es gibt eben Satire und es gibt böse Satire und der Krat dazwischen ist sehr schmal,


Kiat Gorina 11/02/2011 15:21



Das ist schon richtig, dass Mitarbeiter zu ihrer Firma loyal sein sollten, so lange sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Wenn ich jetzt an einen Fall denke, bei dem eine Firma ihre
Kunden ganz schlimm ausschmiert, dann besteht für einen gerecht denkenden Menschen ein Gewissenskonflikt: informiere ich die Kunden und riskiere fristlos gekündigt zu werden oder ich halte den
Mund, habe dann jedoch ein schlechtes Gewissen. Das ist dann die persönliche Entscheidung eines jeden.


Wäre das bedingungslose Grundeinkommen bereits eingeführt, dann wäre eine solche Enscheidung bestimmt leichter. Darum ging es mir in allererster Linie.


Und es ging mir um die unsinnige Regelung, dass hier eine Sperre der Arbeitsagentur verhängt werden konnte. Ich finde auch, wenn jemand aus eigenen Stücken kündigt und innerhalb der
Kündigungsfrist keine neue Stelle findet, wird ihm eine Zahlungssperre auferlegt. 


All diese zweifelhaften Regelungen entfallen bei einem bedingungslosen Grundeinkommen. Auch die Arbeitsagenturen entfallen.



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