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29. Januar 2011 6 29 /01 /Januar /2011 23:46

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Immer wenn ich von "Arbeitslosenindustrie" spreche, sehen mich manche Menschen erstaunt an. Manche schütteln ihren Kopf, andere meinen "So ein Quatsch!" oder ...

Also nehmen wir doch ein Beispiel, ganz frisch aus der Presse: WELT ONLINE meldet, dass Arbeitsagenturen unter Umständen die Kosten für einen Frisörbesuch eines Langzeitarbeitslosen übernehmen.

Jetzt üben wir das mal durch, was da für Kosten dann anfallen. Nehmen wir als Beispiel den Hartz IV Empfänger Isidor Sengespeck. Isidor hat eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Aber er hat kein Geld mehr für den laufenden Monat. Also ruft er seinen "Berater" in der Arbeitsagentur an. "Fragen Sie in zwei Wochen wieder nach, vorher habe ich keine Zeit!" schnarrt sein Berater. "Dann ist es zu spät, das Vorstellungsgespräch findet bereits übermorgen statt", widerspricht Isidor.

"Na gut, dann kommen Sie morgen früh um acht! Und vergessen Sie nicht die Unterlagen!"

Isidor ist pünktlich bei seinem Berater. Er lässt sich alles zeigen und brummt: "Aber Haare waschen ist nicht drin, Haare schneiden ja. Ich kenne da einen Frisör, der macht das für zehn Euro. Mehr kriegen Sie nicht."

"Wo ist dieser Frisör?"

"Im Einkaufszentrum ..."

"Kriege ich dann die Fahrtkosten auch?"

"Nein, das ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen?"

"Aber zu Fuß bin ich da Stunden unterwegs - bei diesem Sauwetter!" 

"Na gut, ich will nicht so sein! Was kostet ein Trockenhaarschnitt bei ihrem Frisör?" 

"Vierzehn Euro"

"Gut, ich bewillige Ihnen zwölf Euro, das ist sehr großzügig, der Staat muss sparen. Und lassen Sie sich eine Quittung geben."

"Ja, ich habe da noch ein Problem", druckst Isidor, "ich habe keine passende Hose zum Anziehen, nur geflickte Jeans."

"Moment, da muss ich in meinen Dienstanweisungen nachsehen." Blätter , blätter, blätter ... "Da steht leider nichts Genaues. Ich muss da wegen Ihnen meine Team-Leiterin fragen." Der Berater greift zum Telefon - ein längeres Gespräch. Die Team-Leiterin hat zwar schon davon gehört, aber sie vergewissert sich bei ihrem Vorgesetzten. Nach einer halben Stunde steht fest: In begründeten Ausnahmefällen - aber nur in solchen - darf eine Hose für das Vorstellungsgespräch genehmigt werden.

Dann schaut der Berater auf Isidors Schuhe, alte Turnschuhe. "Also, mit solchen Schuhen können Sie da nicht auftauchen! Haben Sie keine anderen Schuhe?"

Isidor schüttelt den Kopf: "Nur noch Gummistiefel."

"Die passen doch nicht."

Der Berater ruft wieder seine Team-Leiterin an, die ruft ihren Vorgesetzten an, diesmal dauert es nur eine Viertelstunde. Dann darf der Berater dem Isidor für Schuhe weitere 30 Euro und für eine Hose nochmal dreißig Euro bewilligen ...

Diese ganze Beratung hat eine Stunde gedauert. Jetzt rechnen wir mal nach:

  • Was kostet eine Stunde dieses Beraters für den Steuerzahler?
  • Was kostet eine halbe Stunde der Team-Leiterin für den Steuerzahler?
  • Was kostet eine halbe Stunde des Vorgesetzten für den Steuerzahler?

Allein die Personalkosten dieser drei Beschäftigten der Agentur sind höher als die 72 Euro, die Isidor erhält, um beim Vorstellungsgespräch halbwegs passabel auszuschauen.

So, das ist ein Einzelfall. Wieviele solche Fälle gibt es dann bundesweit? Viele! Und diese Fälle verursachen mehr Personalunkosten, als dem Steuerzahler lieb sein kann.

Geht es auch billiger? Sicher! Isidor bekommt ein bedingungsloses Grundeinkommen. Er will sich bewerben und will vorher zum Frisör gehen. Da sein Grundeinkommen ihm das ermöglicht, ohne dass er vorher Fastentage einlegen muss, braucht er keinen Berater.

Damit wird für solche Fälle ein Berater überflüssig. Soviel zu dem Argument: "Das Grundeinkommen ist nicht finanzierbar!"

Zum Abschluss noch ein weiterer Wahnsinn - diesmal aus dem Jobcenter Brauchschweig:

Jobcenter kürzt Schwangeren Hartz IV auf Null
Veröffentlicht am 13.01.2011 von LaberrhabarberPF

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Published by Kiat Gorina - in GLOSSE
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24. Dezember 2009 4 24 /12 /Dezember /2009 22:49
Heute war Bescherung. Opa Rudi spielt mit seinem Enkel ein Lehrspiel für künftige Landräte und solche, die es werden wollen: "Wie mache ich ein Krankenhaus kaputt?"

"Da, geh her, Bub, wir schauen uns mal die Figuren an! Das ist der Heinrich, der geht bald in Rente und das ist der Neue, sein Nachfolger."

"Opa, der Heinrich hat doch nie Jahresabschlüsse veröffentlicht, obwohl er das machen muss, das steht so im Gesetz."

"Aber Bub, woher hast du das?"

"Das stand in der Zeitung! Oder stimmt das nicht?"

"Doch das stimmt schon, aber das ist jetzt Sache vom Neuen. Wenn du mal Landrat bist und etwas ist schief gelaufen, dann musst du immer schauen, dass dafür jemand anders die Schuld hat."

"Und Opa, die vielen Menschenfiguren, sind das die Demonstranten, die dich und den Heinrich als Pfeifen beschimpft haben?"

"Aber Bub, da war mal was, aber ich bin danach in Kur gegangen und hab alles vergessen. Und später habe ich es so gedeichselt, dass es wieder eine Demonstration gab, da haben Menschen Pappdeckel hochgehalten mit den Worten RUDI HILF. Da siehst du, Bub, was du mit Menschen machen kannst!"

"Opa, wer ist der Mann mit dem Hammer?"

"Das ist der Hammer, Oberbürgermeister von Dinkelsbühl. Der hat den richtigen Namen. Wenn ihm etwas nicht passt, dann haut er rein!"

"Ja, er hat sich doch über den Gutachter geärgert, gell?"

"Ja, das war vielleicht eine Pflaume. Der hätte doch merken müssen, dass wir ein Gutachten brauchen, in dem steht, dass das Krankenhaus Feuchtwangen zu teuer ist. Und da hat der Gutachter, dieser Depp, doch wirklich geschrieben, dass das Krankenhaus in Feuchtwangen sich selber finanzieren kann."

"Opa, ich stell jetzt das Feuchtwanger Krankenhaus auf, es ist ein schönes Haus. Da wurde doch viel Geld reingesteckt, um es zu renovieren. Ist das Geld jetzt futsch?"

"Bub,  das interessiert doch keinen!"

"Aber die Zeitung schreibt, dass das Zuschüsse waren, und wenn das Krankenhaus jetzt geschlossen ist, müssen die zurückgezahlt werden."

"Bub, du darfst nicht alles glauben, was die Zeitung schreibt. Und wenn es soweit kommt, bin ich in Rente."

"Opa, wieso schreibt die Zeitung dann so etwas?"

"Ja, das frage ich mich auch. Da muss ich mal mit dem Verleger ein Wörtchen reden, so geht das nicht!"

"Und diese Figur, die schaut doch aus wie die Pauli?"

"Häh? Wie kommt die Pauli da rein? Schmeiß diese Figur gleich weg!"

"Aber Opa, die Pauli war doch Landrätin, achtzehn Jahre lang, wieso soll ich die wegschmeißen? Die schaut doch gut aus!"

"Bub, ich sage dir eins, diese Pauli hat Bayern fast ruiniert. Das ist eine Studierte. Und sie hat einen Doktor. So etwas als Landrätin ist sehr gefährlich. Seit die Pauli Rabbatz gemacht hat, kommt unser Bayern nicht mehr zur Ruhe!"

"Aber jetzt ist sie doch kaltgestellt!"

"Bei der Frau weißt du nie, was die wieder anstellt. Und die gibt nicht auf. Das ist eine ganz Schlimme!"

"Warum Opa?"

"Bub, wegen der musste der Stoibers Edi zurücktreten, und der Beckstein auch, nach nur wenigen Monaten. Und wegen der haben wir jetzt den Horst als Ministerpräsident. Und wegen dem haben wir am Hesselberg kein Feriendorf bekommen. Da siehst du, wie gefährlich die Pauli ist."

"Opa, bleibt das Krankenhaus in Feuchtwangen für immer zu?"

"Ich glaube schon. Aber ich will das nicht! Das sage ich immer wieder!"

"Aber Opa, was tust du dafür, dass das Krankenhaus wieder geöffnet wird?"

"Dafür bin ich nicht zuständig!"

"Wer dann?"

"Frag mich etwas Leichteres, Bub!"

"Opa, warum sind die Grünen auch dafür, dass das Krankenhaus geschlossen bleibt. Der Dicke aus Neuendettelsau ist ja auch dagegen, dass es wieder aufgemacht wird."

"Das ist doch klar! Er hat in Neuendettelsau ein sehr gutes Krankenhaus, der geht nie nach Feuchtwangen, das ist ihm wurscht!"

"Aber ein Arzt in Feuchtwangen, der ist auch dafür, dass das Krankenhaus geschlossen bleibt."

"Ach der ist ein Ödi, auf den hört doch keiner. Und wenn er etwas gegen das Krankenhaus schreibt, dann regen sich die Leute auf und er steht endlich mal in der Zeitung."

"Opa, meinst du wirklich, ich werde auch mal Landrat?"

"Aber sicher Bub, ich helfe dir dabei."

"Ich bin aber nicht gut in der Schule."

"Das macht überhaupt nichts. Nur rechnen musst du können!"

"Rechnen? Da gibst doch Taschenrechner!"

"Also, Bub, als meine Parteifreunde nachträglich den Ehrensold für mich beschlossen haben, da habe ich gleich einen Bleistift und Papier genommen und ausgerechnet, wie viel ich dann bekomme. Und es hat auf den Cent genau gestimmt. Obwohl ich in der Schule nur mit Mark und Pfennig rechnen gelernt habe. So flexibel musst du als Landrat schon sein!"

"Opa, ich habe da eine Frage zu dem Doktor Arnulf. Wieso ist der auch gegen das Krankenhaus Feuchtwangen. Er wurde doch extra dafür eingestellt?"

"Da musst du den Hammer fragen, ich habe damit nichts zu tun! So, Bub, jetzt fangen wir zu spielen an, nimm den Hammer, und hau das Krankenhaus kaputt!"

"Nein, Opa, das mag ich nicht! Mir gefällt das Krankenhaus. Und Feuchtwangen hat viel mehr Einwohner als Dinkelsbühl. Warum wird nicht das Dinkelsbühler Krankenhaus kaputt gemacht?"

"Weil da der Hammer ist! So, gib mir jetzt den Hammer, wir fangen jetzt an!"

"Nein, Opa, ich mag das blöde Spiel nicht! Das ist ein Scheißspiel!"

Etwaige Übereinstimmungen mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
 
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4. November 2008 2 04 /11 /November /2008 19:54

TRANSFER 

Im Hessenland gibt es verschiedene Herden: da sind einmal die Schwarzen, bis zur letzten Wahl angeführt vom Leithengst Roland. Aber Roland hat die WählerInnen verbissen, viele wollten ihm nicht mehr folgen, auch aus der eigenen Herde nicht, da sind viele Schwarze zu anderen Herden gewechselt.

Dann gibt es die Roten, eigentlich waren die mal richtig rot, jetzt sind sie nur noch blassrot, oft mit schwarzen Streifen. Die WählerInnen haben immer mehr Mühe, sie von den Schwarzen zu unterscheiden. Bei der letzten Wahl gab es bei den Blassroten eine neue Leitstute, die Andrea. Die hat dem Roland heftig eingeheizt und sie wollte jetzt alle Herden im Hessenland anführen. Das passt jedoch den Besitzern der Weiden nicht, weil ihnen die Richtung der Leitstute Andrea missfällt, sie neigt angeblich nach links.

Die Roten hatten sich vor einigen Jahren gespalten: wie gesagt in die Blassroten und in die Ganzroten, letztere mit gleich zwei Leithengsten: Gregor und Oskar. Die Ganzroten treiben meistens nach links und bekommen immer mehr Zulauf. Trotzdem wollen die anderen Herden mit den Ganzroten keinen Kontakt.

Dann gab es noch kurze Zeit einen Oberleithengst der Blassroten, den Kurt. Aber er stand im Verdacht, sich den Ganzroten anzunähern. Als der Kurt an einer heftigen Grippe erkrankte und kaum wiehern konnte, boxten ihn andere Hengste von den Blassroten weg. Kurt schrieb ein Buch und zog sich auf seine frühere Weide zurück.

Jetzt haben die Blassroten zwei Oberhengste, einmal den jungen Frank-Walter und dann den alten Franz, den haben sie vom Gnadenhof zurückgeholt. Außerdem grasen im Hessenland noch kleinere Herden: die Gelben und die Grünen.

Die Andrea wäre zu gerne Leitstute geworden, aber der Roland von den Schwarzen wollte nicht gehen. Er hatte zwar bei der letzten Wahl über 12 % verloren, aber er führt immer noch die Geschäfte. Also redete Andrea mit den andern Herden, mit den Ganzroten, die versprachen ihr, sie als Leitstute zu dulden. Und sie sprach mit den Grünen, die wollten sie als Leitstute anerkennen. Die Gelben waren gegen die Andrea.

Andrea wollte ganz sicher gehen und fragte alle in ihrer blassroten Herde, ob sie einverstanden sind. Da gab es nur eine Stute, die Dagmar, die nein gesagt hat. Grund: Sie kann die Ganzroten nicht leiden. Die andern hielten zunächst still. Aber bei den Blassroten gibt es einen Hengst, den Jürgen, der wollte auch mal Leithengst sein. Aber er sagte es zunächst nicht. Ja, er handelte sogar einen Vertrag mit den Grünen aus, alles schien zu klappen und Andrea wäre heute zur Leitstute gewählt worden.

Dann stellte sich heraus, dass der Jürgen sich an die Dagmar und zwei weitere Stuten herangemacht hatte, die Silke und die Carmen. Von denen hatte bei den Blassroten kaum jemand vorher was gehört. Jetzt trat so richtig eine Stutenbissigkeit zu Tage: die Stuten Dagmar, Silke und Carmen mochten die Andrea nicht, wahrscheinlich gönnten sie der kleinen Andrea nicht den Erfolg und mobbten sie. Das nützte der Hengst Jürgen aus und die Vier sagten ihrer blassroten Herde, dass sie aus Gewissensgründen die Andrea nicht wählen können. Ganz wohl scheinen sie sich nicht in ihrer Haut zu fühlen, denn sie holten sich Aufseher von der grünweißen Truppe, die in zivil aufpassten, dass ihnen nichts passierte.

Jetzt ist im Hessenland alles wieder beim Alten: die Andrea durfte nicht Leitstute werden, die Weidelandbesitzer sind froh, dass die Richtung auf keinen Fall nach links geht und der schwarze Roland weiterhin die Geschäfte führt oder was er darunter versteht.

Arme Andrea, die Blassroten haben ein Talent, sich selbst zu verbeißen, so ist die Andrea nach dem Kurt wieder ein Opfer der Selbstzerfleischung der Blassroten. Ob die Blassroten als Herde überhaupt überleben werden? Wer kann sich dieser Herde noch anschließen? Sie ist doch total führungslos. Und wenn mal eine Stute Führungsqualitäten hat, dann wird sie von ihrer eigenen Herde gemobbt und nicht gegen die Schwarzen verteidigt. Eine solche Herde wie die Blassroten hat wohl keine Zukunft mehr.

Stuckrad Late Night mit Andrea Ypsilanti
Veröffentlicht am 14.05.2012 von stopfarsch


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